Friedhofsgebühr im Norden steigt um bis zu 500 Prozent / Alte Satzung stammt von 1995

„400 Euro mehr für ein Erdgrab“

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Eine der beeindruckendsten Grabanlagen auf dem Friedhof Werben erinnert an das frühe Ende einer 15-Jährigen. 132 Jahre nach dem Verlust des „einzigen geliebten Kindes“ Emmi Könnecke müssen die Stadtväter die Kosten fürs Sterben drastisch erhöhen.

Werben/Behrendorf. „Das ist eine komplizierte Materie“, beendete Bürgermeister Jochen Hufschmidt Dienstagabend im Rathaussaal die erste Debatte im Stadtrat über die bevorstehende Kostenexplosion auf den Friedhöfen in Werben und Behrendorf.

„400 Euro mehr für ein Einzelerdgrab?“, blickte Stadträtin Elisabeth Gellerich zweifelnd auf die Zahlenkolonne, die Arneburg-Goldbecks Kämmerei-Mitarbeiterin Maryna Troch an die Wand projizierte.

Aus rechtlichen Gründen und auf Geheiß des Landesverwaltungsamts ist die Hansestadt gezwungen, ihre Gebührensatzungen von 1995 (Behrendorf) und 1996 (Werben) zu aktualisieren. In Rechnungsprüfungsberichten war mehrfach bemängelt worden, dass für die kommunalen Friedhöfe der weltkleinsten Hansestadt keine Kostenkalkulation existiert. Mit den nun deutlich erhöhten Gebühren „soll die Kostendeckungsfähigkeit erreicht werden“, rechnet die Verbandsgemeinde-Verwaltung vor.

Und listet im Detail auf, was alles an Technik und Personal nötig ist, damit das weltliche Sterben im hohen Norden seinen geregelten Gang geht. Mit Hilfe eines Mittelwerts will die für die Jahre 2015 bis 2017 akribisch ermittelte Kostenkalkulation die neuen, teuren Gebühren „nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen“ festlegen. Berechnet wird anteilig der Aufwand für Geräte wie Rasentraktor, Freischneider, Motorsäge, Mähwerk und Transporter, für den Lohn der Gemeindearbeiter Roland Gruber und Fred Schulze, für Abschreibungen, Zinsen, Versicherung, Strom, Wasser/Abwasser, Reinigung und Gebäudeunterhalt.

Ziel der neuen Satzung sei es zu verhindern, dass „die Stadt Werben auf den Kosten sitzen bleibt“, erläuterte Troch. Die Zahl der Sterbefälle bleibe in Werben „auch in der Zukunft gering“, sagte die Verwaltungsmitarbeiterin und fasste zusammen: „Die Kosten sind nicht ungravierend gestiegen.“ Auch verwies die Mitarbeiterin darauf, dass bezüglich der Friedhofsgebühren derzeit eine „Umbruchstimmung im Landkreis“ herrschen würde.

„Wir müssen dreierlei bedenken: die Kosten für die Bürger, die Kosten für die Stadt und den Verwaltungsaufwand“, erklärte Werbens Bürgermeister. Bei drei Enthaltungen votierte der Stadtrat an dem Abend zunächst erst einmal nur dafür, dass die neuen Gebühren als Komplettsumme die Kosten für Grabnutzung und Friedhofsunterhaltung anteilig enthalten werden.

In den Gebühren der alten Satzungen waren bislang keine Anteile für die Unterhaltung der Friedhofe enthalten. Gerade in diesem Bereich aber seien „steigende Kosten“ zu verzeichnen, erläuterte die Mitarbeiterin. In einer seiner nächsten Sitzungen wird der Stadtrat entscheiden müssen, ob die höheren Kosten in Kraft treten.

Von Antje Mahrhold

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