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Feuerwehr Stendal rückt brandaktuell ins Blickfeld

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Von: Marco Hertzfeld

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Museumsleiter Michael Schneider zeigt eine historische Collage zum Stendaler Brandschutz.
Michael Schneider zeigt eine historische Collage zum Stendaler Brandschutz. Sie wird Teil der Ausstellung. © Marco Hertzfeld

150 Jahre Stadtfeuerwehr Stendal: Das Landesfeuerwehrmuseum und Leiter Michael Schneider haben 2022 einiges vor der Brust. Schlaglichter: Wanderausstellung, Sonderbrief mit Sonderbriefmarke, Zapfenstreich. Durch die Absage des Sachsen-Anhalt-Tages fehlt die ganz große Bühne.

Stendal – Michael Schneider richtet schnell die Arbeitsklamotten und schiebt einen dicken Ordner auf den Pausentisch. Das Landesfeuerwehrmuseum bringt beides mit sich, es muss ganz praktisch angepackt werden und natürlich sitzt der Leiter auch regelmäßig mit Unterlagen vor dem Computer. „Wir haben noch einmal einen Zahn zugelegt.“ 1000 Jahre Stendal bedeuten für den Feuerwehrhistoriker naturgemäß zuallererst 150 Jahre Stadtfeuerwehr Stendal und in dieser Woche 125 Jahre Feuerwehr Röxe. Nach dem Ehrenjubiläum am Standort des einstigen Gerätehauses in Röxe heute (3. Januar 2022) wird sich der Museumsleiter nicht zuletzt auf eine Sonderausstellung zur Stadtfeuerwehr konzentrieren können. Mindestens zwei Jahre Vorbereitung stecken in allem. Dass durch die coronabedingte Absage des Sachsen-Anhalt-Tages die ganz große Bühne fehle, stimme ihn nicht traurig. „So steht der Brandschutz mehr im Fokus“, sagt der 66-Jährige der AZ und lächelt verschmitzt.

Schautafeln wandern an Einkaufsmeile

Schneider sieht für Verbündete und sich einige Höhepunkte. In einer Arbeitsgruppe zum Jubiläumsjahr habe Holger Wothe, Leiter der Stendaler Ortswehr, den Hut auf. Das Museum wird sich mit dem Sonderprogramm „Historische Feuerwehrhanddruckspritzen“ beteiligen am Tag der offenen Tür der Freiwilligen Feuerwehr Stendal, der für den 1. Mai im Kalender steht. Die Wanderausstellung zum Stendaler Feuerwehrjubiläum soll vom 1. bis 8. Juli im Stadthaus und später vor allem in Schaufenstern entlang der Breiten Straße, der Einkaufsmeile dieser Stadt, zu sehen sein. „Das wird großes Kino. Die Feuerwehr gehört nun einmal in die Herzen und Köpfe der Einwohner, sie rückt 2022 noch einmal besonders ins Blickfeld“, ist Schneider längst Feuer und Flamme. Bleiben sollen Tafeln und Ausstellungsstücke bis mindestens 22. Oktober, dann bittet Stendals Stadtoberhaupt zu einer Festsitzung im Musikforum. Schneider wird an diesem Tag einen Vortrag halten.

Stadtorganisation feiert 150 Jahre

Im Jubiläumsjahr am 7. Juli wird das Museum zudem einen Feuerwehr-Sonderbrief „1000 Jahre Stendal – 150 Jahre Stadtfeuerwehr Stendal“ mit Sonderbriefmarke und Sonderstempel herausgeben. „Es wird der zehnte Sonderbrief sein, noch etwas Rundes.“ Für Schneider ist die Stendaler Feuerwehr die älteste in der Altmark überhaupt. Dass das Landesfeuerwehrmuseum an der Arneburger Straße nach Pandemiebeschränkungen und Winterruhe wieder regelmäßig geöffnet habe und auf möglichst viele Besucher hoffe, verstehe sich von selbst. Sogar im Veranstaltungsplan aus dem Rathaus zum Stadtgeburtstag steht für den 21. Oktober eine Serenade. Der Feuerwehr-Zapfenstreich mit dem Polizeiorchester Sachsen-Anhalt beginnt um 19 Uhr auf dem Marktplatz der altmärkischen Kreisstadt. Schneider verspricht Gänsehautmomente. „Die Feuerwehren aus dem Landkreis Stendal erweisen zur Gründung der Stadtfeuerwehr Stendal am 21. Oktober 1872 eine besondere Ehre.“ Der Kreisfeuerwehrverband Stendal ziehe hierbei die Fäden.

Gerätehaus Röxe in Schutt und Asche

Die nächsten Monate sind reich an Jubiläen. Borstel feiert 125 Jahre Feuerwehr, die Städte Werben und Sandau schauen auf jeweils 140 Jahre Brandschutz zurück, das Museum unterstützt alle drei. Momentan steht Röxe im Vordergrund. Das Gerätehaus wurde am 22. Februar 1945 durch Bomber zerstört und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht ersetzt. Wie bereits in der AZ angekündigt, soll am heutigen 3. März im Stendaler Ortsteil an die Organisation erinnert werden. Die am 3. März 1897 gegründete Feuerwehr hätte dieses Jahr ihr 125. Stiftungsfest feiern können. 16.45 Uhr versammeln sich Akteure und Gäste am ehemaligen Standort, Ecke Kirchstraße/Schulstraße. Um 17 Uhr soll ein Glockenschlag in Röxe zu hören sein. Das Ehrenjubiläum verläuft nach einem regelrechten Drehbuch. Museum und Ehrenabteilung der Stadtfeuerwehr ziehen an einem Strang. Die Ortsfeuerwehren Wahrburg und Stendal haben ihre Teilnahme zugesagt.

An die Röxer Feuerwehr zu erinnern, hat für Schneider eine Symbolik, die weit trägt. Es gehe schlichtweg um den Erhalt der Feuerwehren im ländlichen Raum, wo die Mitgliedschaft eben nicht ausreichend durch Nachwuchs gestärkt sei. „Alle wollen schöne Häuser und Straßen, doch ist erst einmal etwas an Feuerwehr weg, lässt es sich nicht einfach mal so wieder aufbauen“, ist er überzeugt. Und natürlich müssten Leistungen und Kameradschaft in freiwilligen Feuerwehren gewürdigt werden. Verdiente Mitglieder sollten eben tatsächlich in eine Ehrenabteilung aufgenommen und nicht in eine Altersabteilung abgegeben werden. „Feuerwehr ist ein Ehrendienst am Gemeinwohl, daher auch, Ehre dem, dem Ehre gebührt.“ Schneider zeigt im Röxer Ordner das Gründungsfoto von 1897 und im Protokollbuch den letzten Eintrag. 1939 ist die Gemeindeverwaltung offenbar auf schadhafte Stellen im Dach des Gerätehauses in Röxe hingewiesen worden.

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