Zwei Seehäuser Stadtarbeiter helfen nach der Flut in Rheinland-Pfalz

Märten: „Das war ein Tsunami“

Zwei Seehäuser als Fluthelfer in Rheinland-Pfalz
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Eine Woche lang halfen die Seehäuser Stadtarbeiter Michael Märten (l.) und Christoph Reckling im Flutgebiet.
  • Thomas Westermann
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Seehausen. Eine Woche lang unterstützten Anfang dieses Monats die Seehäuser Stadtarbeiter Michael Märten und Christoph Reckling die Aufräumarbeiten nach der Flut in der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Für die Männer aus der Altmark gab es viel zu tun.

Die Idee zum Einsatz hatte Seehausens Bürgermeister Detlef Neumann. Er erkundigte sich bei seinem Amtskollegen in der westdeutschen Kommune, ob er helfen könne. Und der nahm das Angebot dankend an. Neumann sprach im Vorfeld mit den beiden Stadtarbeitern, ob sie sich einen derartigen Einsatz vorstellen könnten, Märten und Reckling haben sich dafür sofort bereit erklärt. Der Bürgermeister wollte etwas zurückgeben, wie er gegenüber dieser Zeitung äußerte. „Immerhin haben wir beim Hochwasser 2013 in der hiesigen Region viel Hilfe von Menschen aus weiten Teilen Deutschlands erhalten. Und es kann uns auch immer wieder treffen.“ Mit einem Multicar der Hansestadt machten sich Märten und Reckling von der Altmark aus zur rund zehnstündigen Fahrt auf. „Schnell geht es mit dem Fahrzeug nicht, es schafft maximal 90 km/h und ist dann sehr laut“, sagt Michael Märten im AZ-Gespräch über seine Erlebnisse in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Anlaufpunkt war dort der städtische Bauhof. Die Unterbringung für die Woche war eher spartanisch. Die Kabine aus Bauzaun und Planen war für die beiden Altmärker nur etwa vier Quadratmeter groß. „Aber wir sind ja hier zum Arbeiten da und wollen keinen Luxus“, so Märten weiter.

Aufräumungsarbeiten im Park und dortiges Müllsammeln gehörten zu den Aufgaben. Und auch der vom Wasser in Mitleidenschaft gezogene Tennisplatz, der sich ebenfalls im Park befindet, brachten sie in Schuss. „Das war kein Hochwasser, das war ein Tsunami“, schätzt Märten aus seiner Sicht ein. „Es gab keine Brücken mehr, alle Häuser waren kaputt.“ 80 Prozent der Stadt stand unter Wasser. Allein die kommunalen Schäden werden auf 1,8 Milliarden Euro geschätzt, hinzu kommen noch die privaten Haushalte. Einst lebten circa 28 000 Einwohner in dem Ort, mittlerweile seien etwa 5000 Leute nach der Flut weggezogen, hat Schönberger Märten erfahren. Vor der Flut sei Bad Neuenahr-Ahrweiler ein Ort für alte und reiche Menschen gewesen. Rund 5000 Autos sollen durch die Wassermassen zerstört worden sein. Und städtische Mitarbeiter sagten ihm, dass in sechs Wochen so viel Müll und Unrat abgefahren worden sei, wie in den vergangenen 35 Jahren. Auch wenn die Beseitigung der Schäden noch dauern werde, ein Hotelbesitzer gibt sich optimistisch. Er lädt schon mal alle freiwilligen Helfer zur Eröffnungsparty ein, die am 14. und 15. Juli 2022 in seinem dann wieder hergerichteten Beherbergungsbetrieb gefeiert werden soll.

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