AfD-Kundgebung und Gegendemonstration

Waldbesetzung polarisiert weiter

Die Gegendemonstranten liefen am Bahnhof an der Kundgebung der AfD vorbei.
+
Die Gegendemonstranten wurden am Bahnhof von der Polizei an der Kundgebung der AfD vorbeigeleitet. Sie machten sich lautstark bemerkbar.
  • Tobias Henke
    vonTobias Henke
    schließen

Landrat, Verbandsgemeindebürgermeister und die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden der Verbandsgemeinde Seehausentreten für die Beseitigung des in ihren Augen rechtswidrigen Zustandes im Wald bei Losse ein. Sie wünschen sich ein Ende der Waldbesetzung. Mit großer Sorge betrachten sie die sich in ihren Augen immer weiter verschärfende Gangart zwischen den Lagern. Auch wenn es teilweise unterschiedliche Ansichten zu den Themen Waldbesetzung und dem A-14-Bau gibt, wollten sie in dieser Woche als lokale Verantwortungsträger gemeinsam mit einem Pressestatement ein Zeichen gegen eine weitere Eskalation zwischen Autobahngegnern und A-14-Befürwortern setzen. Dazu trafen sich die Kommunalpolitiker im Seehäuser Feuerwehrgerätehaus. Hintergrund waren nicht zuletzt die angekündigten Demonstrationen gestern Nachmittag und am Abend.

Landrat Patrick Puhlmann möchte keine weiteren Eskalationen, aber auch keine rechtswidrigen Protestformen. Die Besetzung sei ganz klar rechtswidrig, doch bis juristisch gehandelt werden könne, müssen rechtliche Hürden genommen werden. Der Landrat äußerte, dass er „eine Reihe böser Emails bekommen hat“. In einigen werde ihm zu lasches Vorgehen vorgeworfen, in anderen zu scharfes Vorgehen. Puhlmann stellt sich die Frage: „Was muss passieren, dass die Besetzer den Wald freiwillig verlassen?“ Zwangsräumung bedeute Gewalt. Bisher hätten die Besetzer Ordnungswidrigkeiten begangen und keine Straftaten.

Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth machte, deutlich, dass die Bevölkerung nicht verstehen könne, dass nicht gehandelt werde. „So kann es nicht weitergehen.“ Hans Hildebrandt, Aland-Bürgermeister, meint: „Die Besetzung zieht sich schon zu lange hin. Wir machen uns gegenüber den Bürgern unglaubwürdig.“ Sein Amtskollege, Höhe-Bürgermeister Bernd Prange, sieht es so: „Wir haben Corona, wir haben Gesetze, wir haben Ausgangssperre, Kinder können nicht ihren Geburtstag feiern und die Besetzer machen nachts Partys. Es sind fremde Menschen, die nicht wissen, dass die Bürger in dieser Region die A 14 wollen.“ Zehrental-Bürgermeister Michael Seide macht kein Geheimnis daraus, dass er kein Freund der A 14 sei und regte einen runden Tisch an. „Wir sollten gemeinsam mit den jungen Menschen sprechen, statt die Räumung zu fordern. Die waren noch gar nicht geboren, als der A-14-Bau beschlossen wurde.“

Auch CDU-Landtagsmitglied Chris Schulenburg hat sich in Sachen Waldbesetzung zu Wort gemeldet und ein Ende der Besetzung gefordert. „Die Strategie der Deeskalation des Landrates hat nicht dazu geführt, dass die Baumbesetzer den Wald verlassen oder sich nur einen Millimeter bewegt haben. Das Ultimatum des Landkreises ist ohne Konsequenzen abgelaufen, die Glaubwürdigkeit des Landrates ist massiv beschädigt. Offensichtlich legen dies die Baumbesetzer als Schwäche der staatlichen Autoritäten aus und beklatschen euphorisch das Nichtstun. Dies kann so nicht länger bleiben. Jetzt ist Schluss mit lustig! Es reicht!“, schreibt Schulenburg. Der fortdauernde Rechtsbruch müsse beendet werden. Falls es nicht anders gehe unter Vollzugshilfe der Polizei.

Gestern Nachmittag hatte zum mittlerweile dritten Mal das Bündnis „Keine A 14“ zur Mahnwache am Bahnhof in Seehausen unter strenger Einhaltung der Hygieneregeln eingeladen. „Wegen Corona gibt es wenig Kontakte, um zusammen zu kommen. Da ist es gut, wenn sich die Menschen bei der Mahnwache treffen und miteinander Gespräche führen“, meint eine Umweltaktivistin. Mit verschiedenen Transparenten machten die Demonstranten auf ihre Ziele aufmerksam: „Klimaschutz heißt Antifaschismus“ und „Systemwandel statt Klimawandel“ waren unter anderem zu lesen. Mit dabei war der einstige Mitarbeiter der Seehäuser Stadtinformation, Harald Heinrichs, der schon vor über 20 Jahren den A-14-Bau ablehnte und sich stattdessen für den Ausbau der B 189 aussprach. Wie er im AZ-Gespräch sagte, habe er auch die Waldbesetzer gleich nach ihrer Ankunft besucht. „Aus Solidarität für ihre Aktion habe ich ihnen Rotwein geschenkt.“

Gegen 18.30 Uhr begann die Kundgebung der AfD. Anlass für die Demonstration war die anhaltende Waldbesetzung in Seehausen. Der Landtagsabgeordnete Ulrich Siegmund forderte die sofortige Räumung des Waldstücks bei Losse. „Kein Kindergeburtstag ist illegal“ rief er in aggressivem Tonfall und spielte hiermit auf die Corona-Auflagen an, an die sich jeder halten müsse, während die Waldbesetzer sich weiter illegal dort aufhielten. Diese wurden von ihm unter anderem als „Klimaterroristen“ tituliert. Mit Blick auf den Brandanschlag auf den Bahnhof sagte der AfD-Politiker „Wir lehnen jede Gewalt ab“. Osterburgs Direktkandidatin Sandra Matzat legte besonderen Fokus auf den Bau der A 14. „Wir wollen, dass die Autobahn gebaut wird.“

Mit Beginn der Kundgebung der AfD versammelten sich rund zwei Dutzend Gegendemonstranten gegenüber dem Bahnhofsvorplatz. Nach knapp einer Stunde kamen etliche weitere Gegendemonstranten zum Bahnhof. Auf ihren Transparenten stand etwa „Wald statt Asphalt“. Mit Parolen wie „Alle zusammen gegen die Faschisten“ brachten sie ihre ablehnende Haltung gegenüber der AfD überdeutlich zum Ausdruck. Insgesamt waren bei beiden Kundgebungen etwa 100 Teilnehmer. Bis zum frühen Abend kam es zu keinerlei Ausschreitungen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare