Mehr Auenwildnis am großen Strom

Wanzer: Hohe Garbe wird wieder an Elbe angebunden – Auszeichnung für Naturprojekt

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Mit dem symbolischen Spatenstich begann gestern Vormittag die Anbindung der Hohen Garbe an die Elbe. Diesbezüglich wird ein ehemaliger Deich geschlitzt, um alte Flutrinnen zu reaktivieren. Mit der Maßnahme soll eine naturnahe Auenlandschaft entstehen. 

Wanzer – Mit einem feierlichen Spatenstich begann gestern die Wiederanbindung einer der wichtigsten Auwälder der Unteren Mittelelbe – der Hohen Garbe – an die Elbe.

Im Rahmen des Projektes „Lebendige Auen für die Elbe“ werden im Gebiet der Hohen Garbe bei Wanzer in Sachsen-Anhalt ein ehemaliger Deich an mehreren Stellen geöffnet und alte Flutrinnen reaktiviert. So kann der Fluss den Wald wieder regelmäßig überfluten und sich eine naturnahe Auenlandschaft entwickeln. Das Vorhaben des auf Burg Lenzen ansässigen Auenzentrums des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) gefördert.

Anlässlich des Spatenstichs überreicht BfN-Präsidentin Beate Jessel die Auszeich-nung als offizielles Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt. „Naturnahe Hartholzauen, wie wir sie hier in der Hohen Garbe noch vorfinden, bedecken heute nur noch ein Prozent ihrer ursprünglichen Fläche. Gleichzeitig erfüllen intakte Auen nicht nur eine Vielzahl von Funktionen für Natur und Gesellschaft, sondern gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Denn sie bilden Refugien für seltene und bedrohte Arten wie Fischotter, Seeadler oder Rotbauchunke“, sagte Jessel. Sie überreichte gestern Projektleiterin Meike Kleinwächter die Auszeichnung als offizielles Projekt der erwähnten UN-Dekade. „Vor allem die vorbildliche Einbeziehung der örtlichen Bevölkerung und eine Öffentlichkeitsarbeit mit bundesweiter Ausstrahlung sorgen dafür, dass der Wert naturnaher Auen im gesellschaftlichen Bewusstsein besser verankert und erlebbar gemacht wird. Das hat die Fach-Jury der UN-Dekade nachhaltig beeindruckt“, betont Jessel.

Den Preis zur UN-Dekade Biologische Vielfalt überreichte die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Beate Jessel (4.v.r.), an die Projektverantwortlichen.

„Wir geben der Elbe in diesem Projekt rund 400 Hektar Auenlandschaft zurück“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND, vor Ort. „Gerade angesichts der Klimakrise sind intakte Auen besonders wichtig. Sie halten Wasser lange in der Landschaft zurück. Dadurch reduzieren sie zum einen die Hochwassergefahr und verhindern zudem in niederschlagsarmen Jahren das Austrocknen ganzer Landstriche. Auch filtern und reinigen sie das Wasser, sichern so unsere Trinkwasserversorgung und schützen die Meere vor einer noch stärkeren Belastung durch Nähr- und Schadstoffe“, so Weiger weiter. „Naturnahe Auen sind also wertvolle Ökosysteme, die viele bedeutende Aufgaben für die Gesellschaft übernehmen. Mit unserem Projekt ‚Lebendigen Auen für die Elbe‘ leisten wir hierzu einen wichtigen Beitrag.“

Nach dem Spatenstich wird der alte Deich nach und nach geschlitzt, damit sich die Elbe schon bei kleinen Hochwasser-Ereignissen im Gebiet verteilen kann. Dazu hebt das BUND-Auenzentrum auch alte Flutrinnen aus, über die das Wasser einströmen kann. Den Hochwasserschutz übernimmt seit den 1980er Jahren ein damals errichteter, weiter landeinwärts gelegener Deich. Zudem sorgen über 10.000 neu angepflanzte Bäume und Sträucher dafür, dass sich der alte Auwald ausbreitet.

VON THOMAS WESTERMANN

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