Revierförster Schroeder: Übergriffe wie bei Walsleben nie ganz auszuschließen

Waldhüter schützt Isegrim: „Wir haben doch das Wild“

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Kathrin Charwat gelang 2015 dieses Bild von einem Wolf bei Losse. Auch im Internet kursieren etliche Schnappschüsse.

Seehausen. „Der Wolf hat eine Zukunft, eine Zukunft in der Altmark“, ist Thomas Schroeder überzeugt. Und das nicht aus irgendeiner tiefgrünen Schwärmerei heraus. „Nein, ganz einfach: Wir haben den Platz und wir haben doch das Wild.

Es gibt immer noch teilweise überhöhte Schalenwildbestände. Der Wolf ist ein natürliches Regulativ. “ Unter Schalenwild verstehen Weidmänner jagbare Huftiere wie etwa Reh, Wildschwein, Mufflon und Damhirsch. Der Seehäuser Revierförster gibt auch dem Luchs eine Chance. Einzelne Tiere sollen bereits aus dem Harz auch weit nach Norden wandern. In der Westaltmark will ein Jäger schon ein Exemplar gesehen haben.

Schroeder ist der Wolf an zwei Tagen quasi über den Weg gelaufen, beide Male im Sommer vergangenen Jahres. Die erste Begegnung fand nördlich der Rossauer Berge statt. „Es war während einer Revierbegehung. Es war ein ganz starker Rüde.“ Beim zweiten Mal handelte es sich um einen vielleicht zweijährigen, eher schmächtigen Rüden nahe der Bundesstraße 190. „Ein ganzes Rudel dürfte es in unserer Gegend noch nicht geben, dafür aber einzelne Tiere“, meint der Waldhüter im Gespräch mit der AZ. Von einem Trupp Ein-Euro-Jobber stammt die aktuellste Meldung. „Die Leute haben mir vor wenigen Wochen von einem halb verhungerten Wolf berichtet. Auch dieser bewegte sich demnach an der B 190 nahe der Tankstelle entlang.“ Einzelne Tiere hätten es schwer. Seien sie auch noch jung und unerfahren, blieben ihnen oftmals nur irgendwelche Speisereste des Menschen oder bestenfalls Unfallwild im Straßengraben. Das Forstrevier Seehausen ist 2800 Hektar groß. Wie viele Wölfe dort leben oder zumindest durchziehen, lasse sich nicht sagen.

Mitte Februar wurden in zwei Nächten in einem Muffel- und Damwildgehege nahe der Osterburger Ortschaft Walsleben 25 Tiere getötet. Mittlerweile ist durch einen Gentest zweifelsfrei belegt, dass es sich bei dem Angreifer um den Wolf gehandelt hat. Ob ein oder mehrere Raubtiere in das Gehege einfielen, bleibt allerdings weiter offen (die AZ berichtete). Isegrim erobert sich alte Reviere zurück und neue hinzu. „Übergriffe wie kürzlich in Walsleben werden nie ganz auszuschließen sein. So etwas kann passieren, auch das ist Natur und gehört dazu“, findet Schroeder. Landwirte, Schäfer und andere Tierhalter müssten ihr Vieh vor Wolfsattacken schützen und bei Verlusten angemessen entschädigt werden.

Dass der Mensch zukünftig entspannt mit dem Wolf umgehen kann, darauf hofft der Prignitzer. „In den Köpfen hat sich ja schon etwas getan, er wird nicht mehr wie früher von jedem verteufelt.“ Wenn Isegrim irgendwann seinen festen Platz in Wald und Flur wiedergefunden habe, sollte er ordentlich ins Jagdgesetz mit festen Jagd- und Schonzeiten aufgenommen werden, so Schroeder.

Von Marco Hertzfeld

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