Hoher Besuch in der Hohen Garbe: Heimat von Schwarzstorch und Seeadler verfügt laut Experten über 140 Arten

Vielfalt im Auen-Juwel ist nationalparkreif

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Auf der etwa 200 Hektar großen Halbinsel in der Flusslandschaft bilden Eiche und Flatterulmen mit einem hohen Totholzanteil eine typische Hartholzaue. Für den Erhalt des Gebiets hoffen Verantwortliche jetzt auf eine Verlängerung des Projekts „Auenverbund“.

Wahrenberg/Wanzer. Mit „NaTour 17“ hat Umweltministerin Prof. Dr.  Claudia Dalberg ihre Sommerreise überschrieben. Ihr letzter Ausflugstag hat sie in die Altmark geführt – erst nach Ostelbien ins Havelberger „Haus der Flüsse“ und dann auf den Elbehof in Wahrenberg.

Von dort ging es nach Wanzer in die Hohe Garbe. Den Tourabschnitt organisierte Sachsen-Anhalts Biosphärenreservats-Chef Guido Pullmann. Ihm zur Seite standen auch BUND-Landesvorsitzende Ralf Meyer und Dr.  Meike Kleinwächter als Projektleiterin des Auenökologischen Zentrums des Trägerverbunds Burg Lenzen. Zusammen mit Diplom-Biologen Dieter Leupold standen der Ministerin also reichlich kompetente Gesprächspartner zur Verfügung. Nicht zuletzt war auch Dalberts Staatssekretär Klaus Reha zur Unterstützung mit von der Partie.

Der Nieselregen hat Ministerin Prof. Dr. Claudia Dalberg einen klaren Blick in die Hohe Garbe unmöglich gemacht.

Und bevor es aber zum eigentlichen Ziel in die Hohe Garbe ging, stellte Norbert Krebber den Elbehof vor, wobei er auf die Bedeutung der Arbeit mit Kindern und der Jugend einging, die er an vielen Beispielen erläuterte. Anne Zinke als Inhaberin des Flusscafés „Anne Elbe“ stillte den Appetit der prominenten Gäste. Zugleich kam sie auch vor Aufnahmegeräten des MDR-Hörfunks mit den Besuchern ins Gespräch, indem sie ihre Geschäftsidee vorstellte. Dabei verging die Zeit viel schneller als gedacht und so blieb für eine geplante Dorfbegehung keine Zeit. Ein Rundgang um den Elbehof mit Besichtigung der Exposition von Teilnehmern des „Elbecamp“ musste als abgespeckte Variante dann gelten. Den beiden Jungstörchen, die tropfnass aus ihrem Horst dem Treiben zuschauten, schien das egal.

Gastgeberin Anne Zinke (r.) hat im Flusscafé in Wahrenberg den Appetit der prominenten Besucher gestillt.

Biosphärenreservatsmitarbeiter Peter Müller übernahm die Führung in die Kernzone des Naturschutzgebiets bei Wanzer, einem Ortsteil der zur Verbandsgemeinde Seehausen zählenden Gemeinde Aland. Er und die anderen Fachleute führten unter anderem aus, dass die Hohe Garbe eines der wenigen noch verbliebenen Auen-Juwele in der Flusslandschaft Elbe sei. Auf der Halbinsel im Fluss mit einer Größe von mehr als 200 Hektar bilden Eichen- und Flatterulmen mit einem hohen Totholzanteil eine typische Hartholzaue. Dort fühlen sich Schwarzstörche – als kleine Brüder der Weißstörche – wie Seeadler, aber auch Eisvögel und Fischotter zu Hause.

Bei einem jüngsten „Geo-Tag“ seien mehr als 70 Experten gezählt worden. Diese Fachleute hätten festgestellt, dass das Gebiet ohne Weiteres in seiner Artenvielfalt von etwa 1400 mit vielen Nationalparks konkurrieren könne.

Um das Juwel zu erhalten, gibt es auch das Projekt Auenverbund, welches drei Bundesländer tangiert, weil es sich von Dömitz bis Wittenberge erstreckt. Da die Dauer des Schutzvorhabens seit 2012 aber nur noch bis Oktober laufe, hoffen die Verantwortlichen jetzt auf klare Signale für eine Verlängerung. Für diesen Wunsch zeigten die Ministerin, ihr Staatssekretär und auch der BUND-Vertreter großes Verständnis. Gleichzeitig wurde bei dem Treffen betont, dass zur Realisierung solcher Projekte die Akzeptanz der dort lebenden Menschen vorausgesetzt werden müsse.

Aufklärung sei vielerorts nötig. Im Gespräch auf dem Deich und mit Blick auf die Hohe Garbe ging es auch um das Schaffen von Überflutungsflächen und Poldern sowie um das Rückverlegen von Deichen als wirksamer Schutz vor künftigen Hochwassern.

Von Walter Schaffer

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