Verjüngungskur nach 30 Jahren

Dies ist das neue Zifferblatt für St. Petri mit den alten und den neuen Zeigern, welches hier noch einmal präsentiert wird, bevor es in luftige Höhe geht.

Seehausen - Von Walter Schaffer. Der Zahn der Zeit nagte an einer Kirchturmuhr von St. Petri nach 30 Jahren erheblich. Seehausens Uhrmachermeister Günther Haut fertigte neue Zeiger und auch ein neues Zifferblatt.

Vor gut zwei Monaten wurden die beiden Zeiger der Kirchturmuhr von St. Petri, die in westlicher Richtung weist, abgenommen. Sie und auch das Zifferblatt brachte man vor genau 30 Jahren im Zuge einer Restaurierung an. Diese wiesen nun infolge von Korrosion erhebliche Schäden auf. Die beiden Zeiger waren regelrecht zerfressen, da damals infolge von Kupferknappheit das weniger geeignete Material Aluminium und verzinktes Stahlblech verarbeitet wurden. Der Seehäuser Uhrmachermeister Günther Haut bekam den Auftrag, neue Zeiger und auch ein neues Zifferblatt zu fertigen. Vor wenigen Tagen wurden von ihm diese Arbeiten abgeschlossen. Das neue Zifferblatt mit einem Durchmesser von 2,50 Meter ist komplett aus Kupfer gefertigt. Die römischen Zahlen auf ihm seien mit Dukatenblattgold, Feingoldgehalt 23,5 Karat, überzogen und werden daher auch für lange Zeit in voller Schönheit glänzen, so der Uhrmachermeister. Gegenüber dem alten Zifferblatt, welches eine Masse von über 100 Kilogramm hatte, wiegt die Neuanfertigung um die 70 Kilogramm.

Am Wochenende war nun der Zeitpunkt gekommen, um das alte Blatt herabzuholen und seinen Nachfolger samt neuen Zeigern zu montieren. Der geplante Termin konnte eingehalten werden, da auch das Wetter mit fast Windstille gute Voraussetzungen bot. Bei dieser Aktion hatte die Dachdeckergesellschaft Lohne um Frank Leo den technischen Vorgang abzusichern. In Absprache mit dem Uhrmachermeister ging es vorerst die 182 Stufen bis zur Turmuhr hinauf. Darüber wurde eine feste Rolle befestigt, über die das von der Seilwinde kommende Stahlseil umgelenkt wurde. Die beiden Firmenmitarbeiter Ulf Leo und Sören Busse ließen dann mit Unterstützung durch Thomas Bach vom Turmuhrenverein und dem Uhrmachermeister das alte Zifferblatt vorsichtig herunter. Thomas Korte, dessen Vater Erich vor 30 Jahren dabei war, als dieses Zifferblatt montiert wurde, gesellte sich noch zu den fleißigen Helfern. Das alte Blatt wurde per Pkw-Anhänger vorsichtig zum Turmuhrenmuseum gebracht und von dort die Neuanfertigung geholt. Bis zu diesem Zeitpunkt war gut eine Stunde vergangen. Vorsichtig, damit es zu keiner Wandberührung kam, ging auf die gleiche Weise das neue Blatt in die Höhe. Mit viel Kraftaufwand, unter sehr beengten Platzverhältnissen und mit viel Fingerspitzengefühl ging es dann an die dauerhafte Fixierung. Nachdem alle Befestigungen gesichert waren, kam der Akt der Zeigerbefestigung. Durch die kleine rechteckige Öffnung im Zifferblatt mussten nacheinander beide Zeiger geschoben und dann auf der Welle des Zeigerwerkes befestigt werden. Diese knifflige Aufgabe oblag dem Uhrmachermeister. Nach knapp drei Stunden stimmte die Zeit mit den anderen Uhren überein, und die Mannschaft konnte mit ihrem Werkzeug die 182 Stufen nach unten gehen. Zuvor hatte Thomas Bach im Schweiße seines Angesichts die beiden Uhrwerke, die rund 14 Tage laufen, wieder voll aufgezogen. Mit einer Tasse heißem Kaffee wurde dann auf das gelungene Unterfangen angestoßen. An der Finanzierung beteiligt sich maßgeblich der Förderverein St.-Petri-Kirche, der jederzeit für Spenden zur Erhaltung der Kirchensubstanz dankbar ist.

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