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„Ich bin einfach nur traurig darüber“

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Von: Thomas Westermann

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Jeggels Wehrleiter Falk Butnop beim Aufräumen im Gerätehaus
Falk Butnop, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Jeggel, beim Aufräumen im Gerätehaus. © Thomas Westermann

Jeggel. Die Feuerwehren Jeggel und Lindenberg signalisierten vor sechs Jahren, sich zusammenzuschließen. Das wurde allgemein für gut befunden und dem stand grundsätzlich erst mal nichts entgegen, sagt Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (FW) zum AZ-Bericht „Nach Groß Garz gehen wir nicht“, der sich auf die Auflösung der Freiwilligen Feuerwehr Jeggel bezieht.

Durch einen solchen Zusammenschluss würde allerdings eine neue Feuerwehr entstehen, die nur an einem Standort mit Gerätehaus genehmigt werden könne. Da lag schon damals das Problem, denn weder Jeggel noch Lindenberg entsprechen den heutigen Vorgaben an ein Gerätehaus. Eine Genehmigung zur Fusion hätte das Innenministerium unter diesen Umständen nicht erteilt. Mit dem Angebot zum Kauf des ehemaligen Sorex-Gebäudes in Jeggel eröffnete sich diese Möglichkeit erst. Der Verbandsgemeinderat beschloss den Kauf und es wurde eine Planung für den Umbau gemacht, erinnert sich Kloth. Bei der damals vom Wehrleiter gemeldeten Anzahl von 22 aktiven Feuerwehrleuten war auch der Rat einverstanden. Damit überhaupt Fördermittel beantragt werden konnten, musste die Verbandsgemeinde zunächst Eigentümer des Gebäudes werden – und das allein dauerte gut ein Jahr. Diese Verzögerung hatte nicht die Verwaltung zu verantworten. Als diese Hürde genommen war, wurden die Fördermittel beantragt und dann auch in Höhe von 62 650 Euro genehmigt. Die erste Ausschreibung ergab anschließend nur für den Bau der Fahrzeughalle Kosten in Höhe von 140 000 Euro. Alle weiteren Baumaßnahmen, wie Aufenthaltsraum, Umkleideräume und Sanitäranlagen hätten zuzüglich der Planungs- und Vergabeleistungen im günstigsten Fall weitere 230 000 Euro gekostet. „Wir redeten dann also inklusive Grunderwerb über eine Bausumme von nahezu 400 000 Euro“, fügt der Verwaltungschef hinzu. Und der Aulosener weiter: „Diese Summe war im Etat nicht darzustellen und ich musste den Rat umfassend über diese neue Situation informieren. Inzwischen war uns durch eine interne Prüfung auch klar geworden, dass die uns vom Wehrleiter übermittelten Zahlen nicht stimmten. Die Anzahl der aktiven Kameradinnen und Kameraden beider Feuerwehren betrug nicht 22, sondern nur zwölf. Eine solch hohe finanzielle Ausgabe für eine relativ kleine Wehr konnte der Rat nicht verantworten und folgte deshalb meinem Antrag, die Fördermittel zurückzugeben, das Vorhaben nicht umzusetzen und stattdessen mit dem nahen Standort Groß Garz nach einer Alternative zu suchen.“ Die Entfernung von Groß Garz nach Jeggel betrage immerhin nur rund zweieinhalb Kilometer und Groß Garz war bereit, die Wehr aus Jeggel an ihrem Standort mit aufzunehmen. Dann hätte die Wehr Jeggel dort eigenständig weiter bestehen können.

Im Oktober 2020 wurde dann vom Vermieter des Gerätehaus Jeggel der Mietvertrag zum Ende des Jahres 2021 gekündigt. Der Vermieter sei übrigens ein Mitglied der Feuerwehr Jeggel. Ein Verbleib der Wehr am bisherigen Standort war somit ausgeschlossen.

Damit bestand dringender Handlungsbedarf für einen Umzug bis spätestens Ende dieses Jahres. Alle Beteiligten waren lange darüber informiert, aber seitens des Jeggeler Wehrleiters Falk Butnop kam keinerlei Reaktion. Gerade er war wie kein anderer stets über alles informiert. Vor einigen Wochen haben dann beide Wehrleiter (Groß Garz und Jeggel) um einen Umzugstermin gebeten und vorsorglich den 6. Dezember vorgeschlagen.

Kloths Fazit in dieser Angelegenheit fällt gegenüber der AZ so aus: „Ich bin einfach nur traurig darüber. Wir hatten einen gangbaren Weg gefunden, der aber wegen offensichtlicher persönlicher Befindlichkeiten nicht gewollt war. In eine Feuerwehr mit so geringer Personalstärke, die in den letzten sieben Jahren gerade mal zu 14 Einsätzen ausgerückt ist, kann ich beim besten Willen keine hohe sechsstellige Summe investieren. Das Geld würde an anderer Stelle auch in deutlich größeren und aktiveren Feuerwehren, wo es dringend benötigt wird, fehlen. Und genau das könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Als Bürgermeister und Verantwortlicher für den Brand- und Katastrophenschutz in der Verbandsgemeinde Seehausen muss ich die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung im Blick haben. Ich bin nur der Verwalter der Steuergelder unserer Bürgerinnen und Bürger.“ Der Verwaltungschef sei selbst seit mehr als 25 Jahren aktives Mitglied der Feuerwehr. Schon deshalb wisse er, was dort ehrenamtlich geleistet werde und sei sehr dankbar dafür und unterstütze diese Arbeit auch als Bürgermeister im Rahmen seiner Möglichkeiten. Im Feuerwehrdienst sei aber kein Platz für egoistisches Verhalten einzelner Personen. Hier gehe es neben der Kameradschaft einzig und allein um die Hilfeleistung für die Bevölkerung bei Brandereignissen oder Unfällen. Nun hofft Bürgermeister Kloth, dass einige Feuerwehrleute aus Jeggel sich der Wehr in Groß Garz anschließen.

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