Flugkünstler besiedeln den neu geschaffenen Lebensraum am Gewässer

Uferschwalben in der Hohen Garbe

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Die Uferschwalben haben den neu geschaffenen Lebensraum angenommen und ziehen dort ihren Nachwuchs groß.

Wanzer – Schon kurz nach der Entstehung haben die seltenen Uferschwalben die Steilwand am Abgrabungsgewässer in der Hohen Garbe entdeckt und dort ihr neues Heim besiedelt.

Das Vorkommen der Uferschwalben aber auch einer seltenen und in Sachsen-Anhalt gefährdeten Pflanze, des Schlammlings, zeigen einmal mehr: Sobald entsprechende Strukturen und Lebensräume in der Landschaft vorhanden oder neu entstanden sind, werden sie von den jeweiligen Tier- und Pflanzenarten sofort besiedelt.

Die Renaturierungsmaßnahmen in der Hohen Garbe, wozu die Schaffung der Steilwand zählt, zielen genau darauf ab. Sie finden im Rahmen des Projektes „Lebendige Auen für die Elbe“ statt. Das Projekt wird über das Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und nukleare Sicherheit gefördert.

Der Schlammling, eine seltene Pflanzenart, hat sich mittlerweile in der Hohen Garbe angesiedelt.

Im Mai waren erste Schwalbenpaare beim Höhlenbau am Abgrabungsgewässer zu beobachten. Mit nur etwa zwölf Zentimeter Länge ist die Uferschwalbe die kleinste Schwalbenart Europas. Klein aber oho – das trifft auf die Uferschwalbe im Besonderen zu: Als geschickte, wendige Flugkünstler erbeuten sie ihre Nahrung im Flug. Auch zum Trinken müssen sie nicht landen. Sie fliegen einfach flach über die Wasserfläche und erreichen bei diesen Manövern Geschwindigkeiten von bis zu 50 Kilometern pro Stunde. Den Winter verbringen die Vögel in wärmeren Regionen wie in Afrika, nördlich des Äquators. Jedes Jahr im April kehren sie von dort in ihre Brutgebiete zurück.

Zahlreiche Einfluglöcher in der frisch beim Baggereinsatz frei gelegten Erde am Abgrabungsgewässer zeugen davon, dass die neu entstandene Steilwand sofort von den Vögeln angenommen wurde. In der freien Natur gibt es jedoch durch das Fehlen dynamischer Prozesse in der Landschaft kaum noch Gelegenheiten dafür, dass Uferabbrüche auf natürliche Weise entstehen können. Also muss der Mensch nachhelfen, um diesen Flugkünstlern ein Zuhause aus zweiter Hand zu schaffen.

Die Uferschwalben brüten in langen Röhren, die sie vorher mit erstaunlicher Kraft ins Erdreich schaben. Am hinteren Ende entsteht ein etwas größerer Hohlraum, den die werdenden Eltern mit Halmen und Federn auspolstern. Nach dem Schlüpfen bleiben die Jungen etwa 20 Tage in der Bruthöhle. In der Hohen Garbe sind die Jungvögel inzwischen schon flügge geworden und ausgeflogen.

Zwei weitere Beobachtungen in der Hohen Garbe lassen auf eine positive Entwicklung der Maßnahmen zur Renaturierung schließen. Zum einen wächst an mehreren Stellen an den Ufern der Schlammling, eine in Sachsen-Anhalt nach der Roten Liste als gefährdet eingestufte Pflanzenart. Zum anderen entwickelten sich in den neu geschaffenen Flachwasserbereichen im sogenannten Abgrabungsgewässer erste Wasserpflanzen.

VON THOMAS WESTERMANN

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