Seehausens Politik wirkt bei Zukunftsfrage fürs mittelalterliche Objekt ratlos

Ein Turm ohne Perspektive: Plattformpläne ziehen nicht

+
Diese Position dürfte in Deutschland selten sein: Am Spielfeldrand in Seehausen steht ein mehr als 14 Meter hoher Turm.

Seehausen. Der mittelalterliche „Fangelturm“ in Seehausen bleibt, wie er seit vielen Jahrzehnten dasteht: ungenutzt und vom Zahn der Zeit gezeichnet.

Erste, vorsichtige Pläne, das vermutlich mehr als 500 Jahre alte Baudenkmal nahe der Lindenstraße touristisch zu nutzen und als Aussichtsturm herzurichten, liegen weiter ungenutzt in der Schublade. „Wenn die Stadt viel Geld hätte, könnte sich aus diesem ohne Zweifel interessanten Objekt etwas machen lassen“, meint Dr. Walter Fiedler, der Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus, Soziales und Kultur. Einen Aussichtsturm sieht der Christdemokrat aber auch für die fernere Zukunft eher nicht. „Das würde schon aus bautechnischen Gründen nicht gehen. “.

Wer es nicht besser weiß, den Turm so verdammt nah am Spielfeld der Fußballer stehen sieht und an irgendeinen Schornstein glaubt, der kann schon einmal besorgt zum Hörer greifen und die Zeitung anrufen. Dr. Fiedler kann die Gäste der Stadt beruhigen: „Der Turm gehörte tatsächlich zur südlichen Wehranlage der Stadt. Und es bestehe momentan auch keine Gefahr, dass er einstürze. Die Stabilität wurde in der Vergangenheit immer wieder einmal geprüft.“ Mit der Wachsamkeit in Richtung Süden sei natürlich auch Osterburg gemeint, bestätigt Dr. Fiedler spitzbübisch auf AZ-Nachfrage. Die beiden Städte, nur gut zwölf Kilometer voneinander entfernt, pflegen von alters her eine Rivalität.

In welcher Form sich das Baudenkmal irgendwann einmal nutzen ließe, dazu fehlt dem Ausschusschef derzeit die Vorstellungskraft. „Wir müssen abwarten, wie sich die Stadt und der Tourismus entwickeln. Vielleicht kommen ja auch Ideen von außen. Aktuell kann und muss der Turm so bleiben, wie er ist. Und womöglich sollte das in Zukunft auch so sein, wir werden sehen.“ Was es mit dem Namen Fangelturm in Seehausen auf sich hat, kann der CDU-Mann auf die Schnelle nicht sagen. Im Internet verwenden Denkmalschützer auch den Begriff Fangeturm. Fangelturm oder auch Fangenturm bedeutet jedenfalls so viel wie Gefangenenturm oder auch Hungerturm.

Es war Dr. Fiedlers Vorgänger an der Spitze des städtischen Ausschusses, Dr. Helmut Günther, der auf den Monat genau vor sechs Jahren die Idee für einen begehbaren Fangelturm in die Öffentlichkeit brachte. Ein Seehäuser Unternehmen wollte demnach eine Schutzvorrichtung für das Dach des Turms bauen, um ihn vor dem weiteren Zerfall zu bewahren. Auch von einer Treppe war offenbar die Rede. Ein Architekt aus Osterburg fertigte eine Zeichnung an, wie der Turm mit überdachter Aussichtsplattform aussehen würde. Skeptische Worte hatte es aber auch gegeben. So soll der Turm mit seinen gerade einmal 14,2 Metern schlichtweg zu niedrig sein, um als attraktiver Aussichtspunkt zu dienen.

So oder so, Willi Hamann (UWG), hält diese und mögliche zukünftige Ideen dieser Art für wenig sinnvoll. „Auf dem Gelände wird Fußball gekickt, viel mehr sollte sich dort nicht abspielen“, meint der Vorsitzende des Bauausschusses im Gespräch mit der AZ. Allerdings sollte der Turm allmählich besser gesichert und vor den Witterungseinflüssen geschützt werden. Oben könnte eine Betonplatte aufgesetzt werden, seitliche Öffnungen sollten eventuell sogar verschlossen werden. „Das ist natürlich meine persönliche Meinung.“ Städtische Fachausschüsse könnten sich verstärkt mit dem Thema befassen.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare