Geplante Abschiebung von Kevin kein Einzelfall: Kommunalpolitikerin weiß von weiteren Beispielen

Syrer müssen raus aus Seehausen

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Die geplante Abschiebung von Kevin in Seehausen war kein Einzelfall. Laut Aussagen einer Kommunalpolitikerin müssen auch Syrer und Tschetschenen Deutschland verlassen.

Seehausen. Kurz vor Weihnachten sollten der siebenjährige Kevin und seine Mutter May nach Vietnam abgeschoben werden. Vater und Lebensgefährte Gerd Schonert setzte damals alle Hebel in Bewegung, um das zu verhindern – mit Erfolg.

Der Junge und die Frau durften in Seehausen bleiben (die AZ berichtete).

Die Geschichte in der Altmark-Zeitung hat Verbandsgemeinderatsmitglied und Sozialausschussvorsitzende Claudia Brünicke sehr bewegt. Die Geestgottbergerin ist Lehrerin an der wischestädtischen Grundschule und kennt daher Kevin gut, der die dortige Bildungsstätte besucht.

Wie sie auf der Sozialausschusssitzung in dieser Woche sagte, sei das Schicksal von Kevin und May in der Hansestadt kein Einzelfall. So wurde eine syrische Familie zwei Tage vor Weihnachten aufgefordert, innerhalb von 30 Tagen auszureisen. Für die Pädagogin nicht nachvollziehbar, weil sich die Menschen gut integriert haben. „Die Kinder sind Klassenbeste“, fügt sie hinzu. Zudem berichtete die Altmärkerin, dass auch eine „tschetschenische Familie auf gepackten Koffern sitzt“.

Auch Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth hat für derartige Handlungsweisen kein Verständnis und äußerte sich auf AZ-Anfrage wie folgt: „Leute, die sich integrieren, werden abgeschoben und die, die sich nicht anpassen wollen, dürfen bleiben.“ Seiner Meinung nach müssten Gesetzlichkeiten geändert werden. Dem Verwaltungschef seien auch die drohende Abschiebung von Kevin und May nicht verborgen geblieben. Die Gefahr bestand schon seit längerer Zeit. Da ihm das zu Ohren kam, bot er der jungen vietnamesischen Frau Hilfe an, die sie aber nicht in Anspruch nahm. „Sie hat sich bei mir nicht gemeldet.“

Von Thomas Westermann

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