Magdeburger Tafel wirbt gleich für zwei Seehausen

Straße der Romanik: Wischestadt früh in illustrer Runde

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Seehausen kann spätestens seit 2018 auch für die Stadt in der Altmark stehen.

Seehausen – Seehausen steht in diesem Fall sogar über Hadmersleben und Kloster Gröningen. Das Datum 7. Mai 1993 in einer Ecke unten könnte auf die Geburtsstunde der Ferienstraße hinweisen.

Auf jeden Fall dürfte die Wischestadt noch nicht auf dieser Metallplatte vor dem Magdeburger Kloster Unser Lieben Frauen vertreten sein.

Es sei denn, die Verantwortlichen hatten damals schon die Absicht, den Altmarkort etwa 15 Jahre später in die illustre Runde aufzunehmen. „Die Vorahnung hatten sie wahrscheinlich nicht. Ganz eindeutig ist dort das Seehausen in der Börde gemeint“, weiß Peter Bodenstein.

Romanik-Freund Peter Bodenstein.

Seehausen in der Börde lockt nicht zuletzt Touristen mit der Kirche St. Paul aus dem 12. Jahrhundert. Seehausen in der Altmark kann auf das romanische Portal der Petrikirche besonders stolz sein, es allein ist Teil der Ferienstraße. „Die Aufnahme war ein langer Kampf“, erinnert sich Bodenstein, ein früherer Lehrer, der sich vor allem den romanischen Kirchen in Altmark und Elbe-Havel-Winkel verschrieben hat. Die kunstgeschichtliche Epoche habe in Europa eindrucksvolle Spuren hinterlassen. Die bekannten weinrot-weißen Hinweisschilder brachte ein Minister fast auf den Monat genau vor einem Jahr in die Wischestadt.

Damit umfasst die Romanik-Route offiziell 88 Bauwerke an 73 Orten in Sachsen-Anhalt. Auf dem kunstvollen Dokument vor dem Magdeburger Kloster nahe Dom und Landtag finden sich auch etliche Namen aus der Altmark und angrenzenden Gebieten. Salzwedel, Arendsee und Havelberg beispielsweise und auch Schönhausen, Wust und Jerichow. Die Seehäuser Kirche St. Petri wurde zwischen 1170 und 1200 ursprünglich als romanische Basilika erbaut. Das prächtige romanische Eingangsportal aus Back- und Sandstein liegt heute im Innenbereich. „Wir haben hier einen kleinen Schatz“, freut sich Bodenstein im AZ-Gespräch.

Mehr als 230 romanische Kirche stehen in Altmark und Elbe-Havel-Winkel, in dieser Dichte eine Ausnahme. „Sie ist ein spezielles politisches Zeugnis für die Entwicklung der Region und sagt viel über damalige Machtverhältnisse und Grenzen aus“, erklärt der pensionierte Lehrer kurz. Noch so viel: Schon bei den westlichen Nachbarn im Wendland seien romanische Kirchen deutlich seltener. Seit Jahren organisiert der Seehäuser Führungen, Tagungen und Exkursionen in der Region und darüber hinaus. Dass sich für die Romanik ein noch breiteres Publikum begeistern lässt, davon ist er überzeugt.

Bodenstein will seinen Teil dazu auch im neuen Jahr beitragen. Am 28. Februar hält er im Prignitz-Museum in Havelberg einen Vortrag über den Dom der Stadt. Beginn: 18 Uhr. Zwei Matineen stehen ebenfalls im Kalender. Am 16. März geht es um verlorene Basiliken. Der Altmärker hat sich die Dome in Magdeburg und Stendal sowie die Petrikirche seiner Heimatstadt ausgesucht. Eine Exkursion führt zudem nach Seehausen. Am 13. April stehen romanische Kapellen im Mittelpunkt. Mindestens 16 davon soll es in der Altmark geben, elf davon hat Bodenstein untersucht. Seine Ergebnisse möchte er an diesem Tag präsentieren. Bei einer Exkursion nach Peulingen und Schönfeld bei Stendal sollen Beispiele betrachtet werden.

Beide Tage beginnen, wie es sich für eine Matinee in der Regel gehört, am Vormittag und in irgendeiner Form auch künstlerisch. Freunde von Architektur, Kunst und Kultur treffen sich jeweils um 10 Uhr im Kavaliershaus am Schlosspark im Osterburger Ortsteil Krumke. Interessierte könnten sich bereits anmelden, meint Bodenstein. Annegret Spillner werde in bewährter Art und Weise die Namen notieren. Interessierte wählen: Tel. 0173/9485184. Weitere Hinweise lassen auch auf der Internetseite der Betreiberin des Kulturcafés an der Parkstraße finden.

VON MARCO HERTZFELD

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