Kaum Aufforstungen möglich / Wetter setzt ihm weiter zu

Stadtwald Seehausen: Grüne Schatztruhe trocknet aus

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Junge Aufforstungen wie diese auf Barsberge sind die große Ausnahme im Stadtwald.

Seehausen – Erst der Sturm, dann die extreme Trockenheit. Der Stadtwald, Seehausens kleine Schatztruhe, leidet. Alle Flächen zusammengerechnet, handelt es sich um 860 Hektar, was mehr als 1200 Fußballfeldern entspricht.

Die Schäden seien inzwischen mehr oder weniger beseitigt. „Schwierig gestaltet sich die Aufforstung“, weiß Detlef Neumann.

In diesem Frühjahr sei nicht sonderlich viel passiert. Dem Bürgermeister fällt auf die Schnelle auch nur Barsberge ein, wo gegenüber dem Hundefriedhof auf ein paar Hundert Quadratmetern Jungpflanzen gesetzt wurden. „Der Boden ist überall nach wie vor viel zu trocken und ein Stadtwald lässt sich nun einmal nicht einfach so künstlich bewässern. “.

Ob Sturmholz oder nicht, Stämme stapeln sich im Wald.

Im Oktober 2017 fegte ein Sturm übers Land, weitere folgten. „Wir haben fast so viel Sturmholz, vor allem Kiefer, herausholen müssen, wie wir sonst normal ernten.“ Der Verkauf brachte einen niedrigen sechsstelligen Betrag ein. „Damit müssen wir zufrieden sein, die Preise sind momentan eh nicht die besten.“ Zumal dieser Verkauf ungeplant und außer der Reihe stattfand. Der Stadtwald sei wichtig, nur wenige Kommunen in Sachsen-Anhalt verfügten über eine solche Einnahmequelle. Eine Diskussion vor etwa zehn Jahren, das Tafelsilber zu verkaufen, lief ins Leere. Neumann ist heilfroh. In fetten Jahren, die es vor allem Ende der 1990er gegeben habe, flossen 280 000 Euro und mehr in die Stadtkasse.

Egal, welche finanziellen Sorgen noch kämen, die Kommunen möge ihre Flächen für spätere Generationen bewahren. Dafür sollte der Stadtwald nach und nach umgebaut werden. Der besondere Sommer 2018 ließ gerade die Fichtenbestände trockenfallen. Der Borkenkäfer und andere Schädlinge hätten leichtes Spiel. „Wir brauchen künftig noch viel stärker einen Mischwald und Baumarten, die besser mit den Wetterkapriolen klarkommen“, meint der Bürgermeister. Welche Arten für Seehausen genau infrage kämen, darüber gebe es regelmäßige Gespräche nicht zuletzt mit dem zuständigen Revierförster. „Fest steht, wir müssen aufforsten. Ob im Herbst schon was passieren kann, muss sich zeigen.“

Wie groß die kahlen Stellen zusammen sind, dazu kann und will sich das Stadtoberhaupt in diesem Moment nicht groß äußern. „Wir listen alle auf und wollen mehr Geld als sonst in die Hand nehmen. Wie viel Fördermittel es geben kann, wissen wir auch noch nicht. Doch noch einmal: Wir wollen die Aufforstung forcieren. Und: Wir sind auch dieses Jahr ein großes Stück weit abhängig vom Wetter.“ Die Ersatzpflanzungen auf Barsberge liegen direkt am Weg. „Es ist eine recht repräsentative Stelle, die Ausflugsgaststätte und anderes mehr sind nah. Wir alle wollen ja Barsberge noch ein Stück attraktiver gestalten, da gehört das auch dazu“, erläutert der Bürgermeister in dieser Woche im Gespräch mit der AZ.

Im überschaubaren Schillerhain, einer parkähnlichen Anlage in Seehausen, sei vieles auf einem guten Weg. „Der Sturm am 5. Oktober 2017 richtete dort großen Schaden an, es war erschreckend“, erinnert sich Neumann. Immerhin habe der Verkauf des Holzes einen ordentlichen Betrag ergeben, circa 10 000 Euro. Aufgeräumt wurden bereits, mindestens 30 Bäume sind neu gepflanzt, vor allem Buche, Robinie und ja, auch Eiche.

„Wegen der Gefahr durch den Eichenprozessionsspinner haben wir uns beraten lassen, nicht alle Eichengattungen sind gleich betroffen. Auch bevorzugt die Schmetterlingsraupe mehr die Alleen und Solitärbäume, einzeln stehende Exemplare.“ In etwa noch einmal so viele Bäume sollen noch dazu kommen. Wann, sei offen.

VON MARCO HERTZFELD

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