Lärmschutz zweiter Klasse?

Stadt und Verbandsgemeinde Seehausen reichen A14-Klage ein

+
Bislang hatte der Naturschutz den A14-Bau verzögert. Gestern haben die Stadt sowie die Verbandsgemeinde Seehausen Klage eingereicht.

Stendal / Berlin – Eine neue Klage droht den Weiterbau der A 14 erneut zu verzögern. So sollen gestern beim Bundesverwaltungsgericht die Klagen der Stadt Seehausen und der Verbandsgemeinde Seehausen eingegangen sein, wie Verbandsgemeinde-Bürgermeister Rüdiger Kloth (CDU) sagte.

Auch wenn 90 Prozent der Ratsmitglieder „klare Befürworter der Autobahn“ seien, gebe es wichtige Gründe zu klagen, so Kloth, der bei der Abstimmung anders als die Mehrheit gegen die Klage gestimmt hatte (AZ berichtete).

So sei der Schritt ein weiterer Versuch, zum Schutz der Anwohner einige Umplanungen durchzusetzen. Eine gewichtige Sorge heißt Lärmschutz.

Beispiel Geestgottberg: „Die Bewohner wohnen künftig nur einen Steinwurf von der Trasse entfernt.“ Eine Lärmschutzwand sei geplant, allerdings nicht eine, die den Schall schluckt, sondern lediglich die günstigere Variante, die den Schall zurückwirft. Das Bitten um den besseren Schutz sei abgeschmettert worden, so Kloth. Überall sei nur der minimalste Lärmschutz geplant worden, um nach allen Berechnungen gerade so die Grenzwerte einzuhalten.

Knausern die Planer der A14 also beim Lärmschutz? Diese Frage beschäftigt auch den FDP-Bundestagsabgeordneten Marcus Faber, der beim Bund nachfragte, wie viel Geld in den A14-Schallschutz investiert werde. Die Antwort: Auf der gesamten Strecke werde für rund 15 bis 20 Millionen Euro „lärmmindernder Fahrbahnbelag“ verbaut. Zusätzlich sollen 8,5 der derzeit geplanten 950,6 Millionen Euro in Lärmschutzwände fließen. Das sei nicht einmal ein Prozent der Gesamtbaukosten, rechnete Faber vor.

Zudem sei auf vier von acht Abschnitten nicht ein Euro für Schutzmaßnahmen geplant. „Das wirkt auf mich sehr sparsam“, so Faber. „Viele Menschen in der Region haben das Gefühl, dass Lärmschutz bei neuen Bauprojekten für Auto und Schiene nicht so ernst genommen werden und es nur einen Lärmschutz zweiter Klasse gibt.“ Angesichts der drohenden neuen Verzögerungen wegen der klagenden Kommunen warb er für großzügigere Investitionen. „Damit fährt man auf jeden Fall günstiger, als wenn sich das ganze Projekt verzögert und alle Baukosten steigen.“

Und was sagt die Landesregierung? „Jede Klage bedeutet Zeitverzögerung und das ist sehr bedauerlich, vor allem für die weit überwiegende Zahl der Altmärker, die auf die Fertigstellung der A14-Nordverlängerung warten“, ließ Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) ausrichten. Das müsse nicht so kommen, widerspricht Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Kloth. Sollte es ein Einlenken geben, könne die Klage jederzeit zurückgezogen werden.  dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare