Dr. Walter Fiedler bezieht Stellung

Seehausen: Nach 45 Jahren nun der CDU-Rauswurf

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Ein Bild aus freudvolleren Tagen: Dr. Walter Fiedler (v.r.) mit CDU-Landeschef Holger Stahlknecht und Stendals CDU-Kreisvorsitzenden Chris Schulenburg.

Seehausen – Dr. Walter Fiedler ist ein Urgestein der CDU, aber jetzt hat sprichwörtlich der Mohr seine Schuldigkeit getan. Der streitbare Christdemokrat ist aus der Partei ausgeschlossen worden. Gegenüber der AZ bezieht der Seehäuser Stellung.

Ihm wird der Vorwurf gemacht, Mitgliedsbeiträge nicht ordnungsgemäß gezahlt zu haben.

Der Seehäuser ist sich keiner Schuld bewusst. Die Höhe der Beiträge waren damals mit dem ehemaligen Stendaler CDU-Kreisvorsitzenden Wolfgang Kühnel abgesprochen worden. Von Sonderzahlungen war keine Rede. Weder vom Kreisvorstand und auch vom Ortsvorstand kamen entsprechende Signale.

Erst auf einer Ortsgruppensitzung im Mai 2018 wurde auf die Situation hingewiesen, wonach Dr. Fiedler „ordnungsgemäß und pflichtbewusst“ die Sonderbeiträge entrichtete. Doch damit nicht genug: Im Dezember 2018 kam von der Kreisgeschäftsführerin ein Schreiben mit den Zeilen, dass „schuldhaft ein Rückbestand der Beitragszahlungen besteht und ein Ausschluss aus der Partei droht“. Der Christdemokrat monierte daraufhin und wies den Vorwurf zurück. In einem Vergleich wollte er die Hälfte der ausstehenden Beträge erstatten, nie bekam er eine Antwort vom Kreisverband und sieht diesbezüglich eine „gewisse Schuld“ in der Organisation.

In diesem Jahr flatterte Dr. Fiedler ein Brief in sein Haus an der Seehäuser Ziegelwiese mit der Aufforderung, die ausstehenden Beiträge zu bezahlen, „sonst würde der Parteiausschluss erfolgen“. Daraufhin hatte er alle Mitglieder des Kreisvorstandes und die Beisitzer angeschrieben und darum gebeten, in einer Sitzung Stellung beziehen zu dürfen. Keine Antwort. Dann platzte die Bombe. Am 12. September dieses Jahres kam die Nachricht, dass der Ausschluss aus der Partei kommt. Dr. Fiedler wäre nicht der kämpferische Typ, wenn er das so einfach hinnehmen würde und hat schon anwaltschaftlichen Beistand eingeschaltet.

Immerhin ist der Christdemokrat kein unbedeutender Mensch in der Partei. Am 31. Dezember 1974 trat er der Organisation bei. „Viele der jetzigen Leute im derzeitigen Stendaler CDU-Kreisvorstand haben sich damals noch in die Windeln gemacht.“ Dr. Fiedler hingegen hat sich mächtige Sporen verdient. Der Beitritt in der damaligen DDR zur Blockpartei CDU war nicht immer leicht im „real existierenden Sozialismus“. Der Arzt wollte beispielsweise mit seiner Frau einen Auslandseinsatz im Jemen starten und bekam eine Absage. Seine christlichen Werte ließen ihn aber unbeirrt.

Mit herausragenden Ergebnissen war der Seehäuser nach der ersten freien Wahl am 18. März 1990 in der DDR-Volkskammer vertreten. Später dann im Bundestag in Bonn. Letztlich musste er sich entscheiden, ober in die „große Politik“ oder in seinem Beruf als Mediziner bleiben wollte. Der Wischestädter wählte Letzteres. Menschen in der Not zu helfen, war seine Passion. Kommunalpolitik betreibt der 75-Jährige dennoch seit vielen Jahren. Und ihm geht ein Zitat aus einem Buch Lothar de Maizières nicht aus dem Kopf: Denn die Kinder des ersten frei gewählten Ministerpräsidenten in der DDR „sollten nie mehr mit Wahlfälschern konfrontiert werden“. Und da schließt sich der Kreis. Dr. Fiedler ist nach wie vor Anhänger der CDU-Politik, aber „maßlos enttäuscht darüber, wie der Kreisvorstand hinsichtlich des Wahlskandals bei den Kommunalwahlen im Mai 2014 in Stendal arbeitete und mit kritischen Mitgliedern umgeht“.

Übrigens: Dürfte nicht unerwähnt bleiben, dass der Arzt im Ruhestand nicht knauserig mit seinem Geld für den Gemeinnutz umgeht. Seit Jahren spendet er seine Bezüge aus dem Ehrenamt in voller Höhe an zwei Seehäuser Vereine. Hinzu kommen jedes Jahr Spenden an diverse andere Vereine aus seiner Privatschatulle. Außerdem unterstützte er CDU-Kandidaten finanziell in allen Wahlkämpfen seit 1990 in beträchtlicher Höhe.

VON THOMAS WESTERMANN

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