Kriminalfälle und Testamente

Seehausen: Ein Blick ins Gerichtsbuch

Lange galt es als verschollen, dabei lag das Gerichtsbuch der Hansestadt Seehausen die ganze Zeit im Safe des Rathauses. Die AZ warf einen Blick in das Schriftstück. Dort ist von Hexenprozessen, Morden, aber auch Erbangelegenheiten zu lesen. Foto: AZ-Archiv

SEEHAUSEN - Hexenprozesse, Beleidigungsklagen, Testamente, Rentenkäufe, Vormundschaften und Kriminalfälle aus längst vergangenen Zeiten finden sich fein säuberlich notiert im Gerichtsbuch der Hansestadt Seehausen. Lange Zeit galt es als verschollen.

Es gab allerdings eine Notiz über den Verbleib des Buches im Archiv des Rathauses. Dieser Zettel wurde gefunden und ihm war zu entnehmen, dass das Gerichtsbuch im Safe des Hauses zu finden ist (die AZ berichtete). Archivmitarbeiterin Antje Grafe ließ die AZ einen Blick ins Buch werfen.

Im ersten Teil des Buches geht es um Erbschichtungen und Rentenverschreibungen von 1447 bis 1507. Der zweite Teil befasst sich mit Gerichtsprotokollen von 1437 bis 1502. So ist von einer Barbara Elisabeth Duckmann zu lesen. Sie war die Tochter des ehemaligen Bürgermeisters Brender. Nach dem Tod ihres Mannes verfiel sie der Fleischeslust. Vier Kinder sollen dabei entstanden sein, die sie aber alle tötete. Dafür wurde sie zum Tode verurteilt. Doch zuvor musste die Frau einige Höllenqualen über sich ergehen lassen.

So wurde sie rücklings an einem Wagen festgebunden, der von zwei Pferden durch die Seehäuser Innenstadt gezogen wurde. Am Rathaus erhielt sie den ersten „Knuff mit glühenden Zangen“. Einen weiteren an der Mühlenstraße und am Mühlentor. Dann wurde sie einfach kurzerhand in einen Sack gesteckt und „im Aland ersäuft“, ist im Gerichtsbuch zu lesen.

Auch von einem Hausverkauf im Jahre 1447 ist unter dem Thema Rentenverschreibung zu lesen. Das Gebäude befand sich in der Großen Brüderstraße. Fein säuberlich notiert sind im Buch auch Erbschichtungen. So gewährte ein Sohn seinem Vater ein Altenteil: „Ein Bett, eine Kiste, einen Grapen zum Huhnsieden, ein paar seidensche Kleider, ein Kistengerät“ und noch einige Utensilien. Auch Zwangsversteigerungen von Immoblien spielten damals bereits eine große Rolle.

Insgesamt gab es zu damaligen Zeiten lediglich drei Gerichtstage im Jahr. An einem solchen Tag wurden gleich 40 bis 80 Verhandlungen abgehalten. Im Gerichtsbuch wurde anschließend alles kurz registriert. Jeder konnte ein förmliches Attest über den Verlauf der Sache und das Urteil verlangen.

Von Berit Wagner

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare