Bürger zeigen großes Interesse

Seehausen: Andrea Gose und Detlef Neumann bewerben sich als mögliche Bürgermeister

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Moderiert von Verbandsgemeinde-Bürgermeister Rüdiger Kloth (l.) stellten sich die Kandidaten Andrea Gose und Amtsinhaber Detlef Neumann den Wählern vor. 

Seehausen – Am Sonntag, 10. November, sind die Einwohner der Hansestadt Seehausen nicht nur zur Abstimmung über den neuen Stendaler Landrat an die Wahlurnen gerufen.

Die Wischestadt inklusive ihrer Ortsteile Behrend, Beuster, Geestgottberg, Losenrade und Schönberg sucht nämlich zugleich einen neuen Bürgermeister. Oder eine neue Bürgermeisterin. Denn mit Andrea Gose bewirbt sich neben dem aktuellen Amtsinhaber Detlef Neumann diesmal auch eine Frau für das höchste Seehäuser Ehrenamt.

Am Montagabend stellten sich die beiden Kandidaten in einem öffentlichen Wahlforum den Fragen der interessierten Öffentlichkeit. Letztere erschien für die Organisatoren „überraschend“ zahlreich im Versammlungssaal der Seehäuser Feuerwehr. „Hätten wir mit einer solchen Resonanz gerechnet, wären wir ins Foyer der Wischelandhalle gegangen“, sagte Verbandsgemeinde-Bürgermeister Rüdiger Kloth zur Begrüßung. Trotz Stühlerückens und zusätzlicher Sitzmöglichkeiten mussten einige Besucher das knapp 80-minütige Forum stehend verfolgen. Kloth hatte beim „pflichtgemäßen“ Wahlforum die Moderation übernommen, wollte „sachlich und neutral“ durch den Abend führen.

Das Interesse an der Veranstaltung war so groß, dass die Zahl der Stühle nicht ausreichte.

Das gelang problemlos, zumal es ihm beide Kandidaten auch nicht sonderlich schwer gemacht haben. Ganz im Gegenteil. Den überwiegenden Teil ihrer Präsentation agierten die Bewerber sehr sachlich und eher defensiv. Trotz verständlicher Konzentration und des gegenseitigen Respektes wäre die eine oder andere emotionale Regung schon wünschenswert gewesen. Eine solche gab es eigentlich nur einmal, als dem Amtsinhaber vorgehalten wurde, die A14-Entscheidung verzögert zu haben. Den Vorwurf wies Detlef Neumann umgehend und vehement zurück. Direkte Reaktionen auf die Positionen des Kontrahenten blieben weitgehend Fehlanzeige.

Im Gegensatz zur Herausforderin hatte der Amtsinhaber unübersehbare Vorteile bei Fragen mit politischem Hintergrund. Während Neumann konkret antworten konnte, verwies Gose auf die von ihr gewünschte 100-Tage-Schonfrist, in der sie sich entsprechende Kenntnisse erst aneignen möchte.

Sicher ist bereits, der oder die neue Bürgermeister(in) ist Jahrgang 1962, in Seehausen geboren und hat zwei erwachsene Kinder in den 30er Lebensjahren. Während Neumann aber immer in Seehausen lebte, kehrte Gose erst vor jüngerer Zeit wieder in die Hansestadt zurück. Zuvor lebte sie viele Jahre in Hamburg. Für Nachfragen und Diskussionen sorgte die beruflichen Tätigkeiten (selbstständige Beraterin und Testerin) in Kombination mit bestehenden ehrenamtlichen Aufgaben (Rheuma-Liga) und privater Verpflichtung (Pflege der Mutter): „Haben Sie überhaupt die notwendige Zeit, sich als Bürgermeisterin um Seehausen zu kümmern?“

Auch auf die Frage nach Visionen für die Hansestadt dürften die Antworten nicht wirklich hilfreich für eine Wahlentscheidung pro oder kontra gewesen sein. Dafür waren die „kreativen“ Vorstellungen Goses selbst für „Visionen“ zu weit entfernt von der kommunalpolitischen Realität, während Neumann mit seiner wohl zu realistischen Antwort bei einer Zuhörerin den Eindruck von „Resignation“ erweckte.

Ob die Zuhörer nach dem Forum wirklich zufrieden ihren Heimweg antraten, darf durchaus bezweifelt werden. Das lag fraglos aber nicht nur an den Kandidaten. Für die meisten angesprochenen Themen – wie die mehrfach thematisierte und viele Anwesende bewegende Schul-Problematik, oder die Verkehrsplanung und -führung sowie die Wirtschaftsentwicklung – ist der mögliche Bürgermeister-Einfluss allenfalls überschaubar.

Nun bleibt abzuwarten, ob sich das große Interesse zum Wahlforum auch am Sonntag in der Wahlbeteiligung widerspiegelt. Positiv – zumindest im Seehäuser Bereich – könnte sich die Zusammenlegung der beiden Wahlen auswirken. Dies war vor sieben Jahren noch anders, damals wurde getrennt am 18. November 2012 (Landrat) sowie am 17. Februar 2013 (Bürgermeister) gewählt. Deshalb beginnt die neue Amtszeit des Seehäuser Stadtoberhauptes auch erst im März 2020.

Die Wahlbeteiligung lag vor knapp sieben Jahren bei nur 21,9 Prozent (Bürgermeister Seehausen) beziehungsweise 25,4 Prozent (Landrat). Bei der Stichwahl zum Landrat rutschte die Wahlbeteiligung damals sogar auf 16,3 Prozent ab.

Zur Wahl des Landrates und des Bürgermeisters der Hansestadt Seehausen haben die Wahllokale am Sonntag, 10. November, von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wie Rüdiger Kloth der AZ mitteilte, sollen die eingehenden Wahlergebnisse am Sonntagabend ab 18 Uhr im Seehäuser Ratssaal präsentiert werden.

fs

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