Seehäuser Fleischer kooperiert gern mit Prignitzern und hat Perleberger Senf

„Wittenberge ist näher als Stendal“

Drei Männer in der Senfmanufaktur
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Jan (v.l.), Patrick und Lutz Lange in der Manufaktur, in der der Perleberger Senf hergestellt wird.
  • Thomas Westermann
    VonThomas Westermann
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Seehausen. Er hat ihn auch schon – den Perleberger Senf nach Originalrezept aus dem Jahr 1896. Gemeint ist Fleischermeister Kurt Wohlfahrt, der an der Beusterstraße in der Hansestadt Seehausen ein Fachgeschäft betreibt.

Der rührige Geschäftsmann kooperiert schon seit Jahren mit den Prignitzern. Beispielsweise liefert er seine Produkte in die Alte Ölmühle nach Wittenberge und hat zudem Abnehmer in Pritzwalk und Bad Wilsnack. Für ihn sei die Elbe schon lange kein trennender Fluss mehr zwischen den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Brandenburg, wie er im AZ-Gespräch sagte. Der Strom sei eher verbindend. Und: „Die Kooperation mit Wittenberge ist naheliegend. Die Elbestadt Wittenberge ist von Seehausen aus näher als Stendal.“ Wohlfahrt führt weiter aus, dass es Altmärker gebe, die nur des Perleberger Senfes wegen sein Geschäft aufsuchen. „Oftmals kaufen sie dann aber auch weiter ein.“

Der Senf aus Perleberg von anno 1896 ist übrigens nur ein Jahr älter als das Traditionsunternehmen Wohlfahrt, das seit 1897 existiert. Doch wie kommt es, dass das Produkt nunmehr den Weg aus der Prignitz in die Altmark gefunden hat? Die Marke wurde schon längst nicht mehr in der Prignitz-Kreisstadt hergestellt, sondern in Stavenhagen und in Altenburg. Lediglich die Abfüllung erfolgte in Perleberg. Im vergangenen Jahr stand der Betrieb vor der Schließung. „Die Rezeptur wäre verschwunden und mit ihr die Traditionsmarke“, ist sich der Wittenberger Unternehmer Lutz Lange sicher. Gemeinsam mit seinen Söhnen Jan und Pat-rick kaufte er die Rechte am Rezept auf. Der Umbau der Manufaktur ist mittlerweile abgeschlossen. Die Produktion läuft in echter Handarbeit – von der Verarbeitung der Maische bis zum Verpacken. Derzeit sind nur das Original und eine mittelscharfe Variante in Flaschen und Bechern erhältlich. Ein scharfer Senf und verschiedene weitere Kreationen sollen folgen.

Doch nicht nur Kurt Wohlfahrt engagiert sich gern in der Nachbarregion, auch der 39-jährige Jan Lange blickt über die Elbe in die Altmark. Der Unternehmer bezieht schon jetzt Spargel vom Gut Plätz, Wurst- und Fleischerzeugnisse von Wohlfahrt, Baumkuchen aus Salzwedel und Gemüse von einem Stendaler Anbieter. Demnächst möchte er für seinen Hofladen auf dem Gelände der Alten Ölmühle Produkte von der Schäferei Schuster in Beuster anbieten.

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