Ex-Fußballspieler Marcus Urban spricht über Outing und die Sportwelt

Ein schwuler Profi-Kicker soll kein Tabu mehr sein

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Mit einer klaren Meinung nehmen diese Männer in Hamburg an einem Umzug zum Christopher Street Day teil.

Seehausen. Der Stendaler Verein „KinderStärken“ und die Gruppe „Seehausen links“ hatten am Sonnabend in den Versammlungsraum der Seehäuser Feuerwehr eingeladen.

Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag mit Diskussion vom ehemaligen Fußballspieler von Rot-Weiß Erfurt, Marcus Urban, früher Marcus Schneider. 

Ex-Profi Marcus Urban.

Durch die Veröffentlichung seiner Biographie „Versteckspieler“, in der er sich als schwul outete, begann auch in der Profiwelt des Sports eine langsame Änderung der Ansichten zu dieser Thematik. Urban war bereits das vierte Mal im Landkreis Stendal. Insgesamt hatte er in Sachsen Anhalt schon 19 Auftritte zu der Thematik des Andersseins. Anja Demme vom Verein begrüßte den Berliner, und nach wenigen einleitenden Worten begann der gut strukturierte Vortrag über Homophobie, bei dem auch Fragen zwischendurch zugelassen waren.

Ausgegangen wurde von dem wissenschaftlichen Begriff der Homophobie, die man als eine soziale Aversion, Scheu, Angst oder gar Feindseligkeit gegen Schwule und Lesben bezeichnen kann. Wie sieht es in der Welt mit Homophobie aus? Auf diese Frage gab es Antworten von Akzeptanz bis zur Anwendung der Todesstrafe in fünf arabischen Ländern.

Nur wenige  Jugendliche kamen zu dem Vortragsabend.

Auch für Deutschland wurden wissenschaftliche Untersuchungen zu dem Thema angestellt. Eine der letzten Studien der Friedrich Schiller Universität in Jena brachte folgende Ergebnisse: Der Aussage, homosexuelle Beziehungen seien unnatürlich, stimmten 29 Prozent der befragten Personen zu, wobei die Spanne von 14 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen bis 41 Prozent bei den über 60-Jährigen reichte. Männer äußerten sich homophober als Frauen und religiöse Personen homophober als nichtreligiöse.

Im weiteren Verlauf ging der Referent auf sein herausgegebenes Buch ein. In ihm wird geschildert, dass Homosexualität als letztes Tabu im Profisport gilt. Aus Furcht vor den öffentlichen Reaktionen hatte sich bisher kaum ein namhafter Spieler geoutet. Marcus Urban brach als einer der ersten das Schweigen und schilderte diesen wohlüberlegten Schritt vor den leider nur wenigen Jugendlichen in Seehausen.

Von Walter Schaffer

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