„Schluss mit den Nasenprämien“

Warnstreik: Seehäuser Graepel-Beschäftigte wollen 27 Jahre nach der Wende Tarifvertrag

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Einen ersten Warnstreik gab es gestern für zwei Stunden vor dem Graepel-Unternehmen in Seehausen. Die Beschäftigen machen sich stark für einen Tarifvertrag, den es im Schwesterwerk in Löningen schon gibt. Dort sollen die Mitarbeiter zwischen 500 und 800 Euro pro Monat mehr verdienen.

Seehausen. Es ist ein Novum in Seehausens Geschichte nach der politischen Wende: Erstmalig gab es gestern in der Hansestadt einen Streik – Beschäftigte des Graepel-Unternehmens wollen mehr Lohn und Gehalt.

Aufgerufen zu dem zweistündigen Warnstreik hatte die IG Metall Magdeburg-Schönebeck um den Ersten Bevollmächtigten Axel Weber und Gewerkschaftssekretär André Voß. Von den rund 230 Beschäftigten war gut die Hälfte vor Ort, schätzt Weber ein.

Axel Weber (v.l.) und André Voß fordern: „Schluss mit den Nasenprämien und den willkürlichen Lohnerhöhungen.“

Die Graepel-Mitarbeiter fordern seit mehreren Monaten den Abschluss eines Tarifvertrages. Bereits im April 2017 hatte die betriebliche Tarifkommission den Arbeitgeber diesbezüglich zu Verhandlungen aufgefordert. Im Oktober 2017 haben die Beschäftigten mit einer Petition an die Geschäftsführung diese Forderung bekräftigt. In mehreren Sondierungen konnte bisher keine Einigung erzielt werden. Stattdessen wurden ehrenamtliche Funktionsträger der IG Metall für ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten abgemahnt. 27 Jahre nach der Wende sollte es möglich sein, einen Tarifvertrag zu bekommen, meint Weber. Das Schwesterwerk in Löningen sei tarifgebunden. Die dortigen Mitarbeiter haben einen Bruttolohn in Höhe von 500 bis 800 Euro monatlich mehr, ergänzt Voß. „Schluss mit den Nasenprämien und den willkürlichen Lohnerhöhungen“, fordert wiederum Weber und fügt hinzu: „Wenn sich Graepel am Rückkehrertag beteiligt, und das war jüngst der Fall, muss das Unternehmen Anreize schaffen. Ansonsten kommt keiner aus Bayern oder Baden-Württemberg zurück nach Seehausen“, ist der Gewerkschafter sicher.

Von Thomas Westermann

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