Schlangenhalter droht das Würgen / Naturschutz kennt sogar Haftstrafen

Nach dem Fund einer toten Boa sucht die Polizei den Besitzer

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Dr. Falk Dathe, Kurator des Tierparks Berlin, präsentiert eine kleine Gartenboa. Das Jungtier hat bereits die Reißzähne im Oberkiefer, die später besonders zum Fang von Vögeln geeignet sind. Das kleine Bild zeigt einen Berufsfeuerwehrmann in Augsburg mit einer ausgebüxten Boa constrictor. Auf den anderen beiden Fotos ist der Schlangenkadaver zu sehen, den Jana Zimmermann beim Walking am Wochenende nahe dem Tauben Aland zwischen Falkenberg und Schönberg entdeckt hat (die AZ berichtete).

Seehausen. Nach dem Fund eines Schlangenkadavers geht das Seehäuser Ordnungsamt nicht davon aus, dass sich weitere Würgeschlangen im Tauben Aland oder benachbarten Gewässern befinden – tot oder lebendig.

Björn Schünemann, der für die Gefahrenabwehr und Sicherheit in der Verbandsgemeinde zuständig ist, hat sich umgehend mit Polizei und Landkreis beraten. „So etwas darf nicht unbestraft bleiben.“ Es ist Anzeige gegen Unbekannt erstattet worden. Die Kripo ermittelt wegen des Verstoßes gegen das Bundesnaturschutzgesetz, es droht eine erhebliche Geld- und unter Umständen sogar eine Freiheitsstrafe. Wahrscheinlich handelt es sich bei dem gefundenen Tier um eine Boa constrictor, auch Abgottschlange genannt, die mehr als drei Meter lang werden kann. Der leblose Körper aus der Ostaltmark bringt es auf immerhin zwei Meter, steckt mittlerweile in einem Sack und soll, so ist es zumindest bislang geplant, schon bald ohne größere Untersuchungen von einer Genthiner Firma in einer speziellen Anlage fachgerecht beseitigt werden.

„Mit hoher Sicherheit ist es eine Boa und kein Python, wie anfänglich gedacht“, ist Dr. Falk Dathe überzeugt, nachdem er Bilder der toten Riesenschlange gesehen hat. Das Tier sei durchaus groß und kräftig gewesen. Und allzu lange habe es noch nicht tot am Ufer des Alandzulaufes gelegen. Die Boaart kommt ursprünglich von Mexiko bis ins südliche Amerika vor und wird in Deutschland in Terrarien gehalten. „Diese Tiere haben eine Vorzugstemperatur von 20 bis 30 Grad Celsius“, weiß der Kurator für Reptilien und Amphibien des Tierparks Berlin. Ein Exemplar wie dieses könnte aber durchaus auch einige Zeit im Winter überleben. Der Sohn des legendären DDR-Zoologen Prof. Heinrich Dathe gegenüber der AZ: „Wir hier in Berlin haben des Platzes wegen nur kleine Riesenschlangen wie etwa den Königspython.“

Dass nicht jeder Mensch daheim einfach so eine Riesenschlange halten sollte, darauf verweist Gerd Flechner. „Vor allem muss das Terrarium eine bestimmte Größe haben, und weitere Dinge sind zu berücksichtigen.“ Überhaupt sei eine Würgeschlange nicht gerade das „Einstiegsmodell“ für Terrarianer. Die Boa constrictor ist nach dem Washingtoner Artenschutzübereinkommen besonders geschützt, es bedürfe eines Herkunftsnachweises. Der Mitarbeiter des Stendaler Kreisumweltamtes will den Seehäuser Fall nicht einfach zu den Akten legen und sich mit der Umweltbehörde in Steckby, die für die Registrierung geschützter Tiere zuständig ist, in Verbindung setzen. „Es gibt da noch einiges zu klären.“

Eine Boa gehöre nicht in die altmärkische Landschaft. „Sie hat bei uns keine natürlichen Feinde, kann alles durcheinanderbringen und Schaden anrichten.“ Flechner kann sich gut vorstellen, dass sich der Besitzer ob der zunehmenden Länge des Tieres an irgendeinem Punkt schlichtweg überfordert fühlte und es kurz entschlossen ausgesetzt hat. „Eine Schande, es gibt genügend Einrichtungen, an die man sich wenden und Rat holen kann“, schimpft der staatliche Naturschützer. Selbst wenn das Tier schon tot gewesen sein sollte, hätte es vom Besitzer nicht einfach in die freie Natur geschmissen werden dürfen. „Wo kommen wir denn dahin?!“

Die Polizei will ganz genau hinschauen, noch einmal mit Landkreis und Verbandsgemeinde reden und erhofft sich gerade vom Artenschutzbüro in Steckby wertvolle Informationen. „Das Tier könnte auch illegal importiert worden sein oder aus einer illegalen Nachzucht stammen“, meint Polizeisprecher Marco Neiß im AZ-Gespräch. Und nein, die Ermittlungen müssten nicht zwangsläufig ins Leere laufen, auch wenn es zugegebenermaßen derzeit kaum Spuren zum Besitzer der Riesenschlange gebe.

Von Marco Hertzfeld

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