Wolfsrisse: Bürgermeister und Wasserwehr-Chef sehen Schäfer allein gelassen

„Viele Verluste und wenig Geld“

Drei Männer an einer Schafherde in der Hohen Garbe bei Wanzer
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Rüdiger Kloth (v.r.), Horst Sandmann und Klaus Hildebrandt an der Herde in der Hohen Garbe bei Wanzer, wo der Wolf wütete.
  • Thomas Westermann
    VonThomas Westermann
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Wanzer. Wölfe spielen Schäfer Klaus Hildebrandt aus Groß Garz immer wieder übel mit. Am Wochenende schlugen die Raubtiere in der Hohen Garbe unweit von Wanzer und bei Arendsee erneut zu. Die häufigen Attacken und die dadurch resultierenden finanziellen Verluste für den 58-Jährigen rufen Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth und den Chef der Wasserwehr der Verbandsgemeinde, Horst Sandmann, auf den Plan.

Beide informierten sich am Mittwoch persönlich vor Ort und kamen mit Schäfer Hildebrandt ins Gespräch. Das Trio machte kein Geheimnis daraus, dass der Wolf unbedingt ins Jagdrecht aufgenommen werden müsse. Der Schäfer sagte, dass seit 2013 Schafe und Ziegen in Größenordnungen gerissen worden waren. Elektrische Weidezäune halten die grauen Räuber nicht auf. Nun denkt der Altmärker über den Kauf von Herdenschutzhunden nach, allerdings nach seinen finanziellen Möglichkeiten. Die Anschaffungskosten sind teuer und werden nicht gefördert. Ohnehin mahlen die Mühlen der Bürokratie nach den Wolfsrissen sehr langsam. Bisher müssen etliche Formulare ausgefüllt werden, bis das Geld fließt. „Die Entschädigungsregeln müssen einfacher werden“, wünscht er sich. Und Hildebrandt weiter: „Es gibt viele Verluste und wenig Geld.“ Zudem sei der Schäfer nach Rissen bei den Behörden immer in der Beweispflicht. Da werde nachgefragt, ob die Herden vor dem Wolf richtig geschützt sind. Hinzu kommen Folgeschäden, die nicht anerkannt werden. Der Altmärker meint damit die tragenden Schafe, die der Wolf tötet. Im Leib der jüngst gerissenen Tiere entdeckte der Schäfer ein bis zwei ungeborene Lämmer. „Es ist sehr schwer, die ausgefressenen Tiere anzuschauen. Das zerreißt einem das Herz.“ Mittlerweile denkt der Groß Garzer darüber nach, alles aufzugeben, weil sich die wirtschaftliche Situation zuspitzt. Doch er sei mit Leib und Seele Schäfer, da könne man sich nicht so leicht von den Tieren trennen. Konsequenzen hat er schon gezogen. Einst hatte Hildebrandt drei Herden, jetzt peilt er nur noch eine an.

Kloth erinnerte daran, dass der Verbandsgemeinderat vor etwa drei Jahren eine Wolfsresolution bei einer Gegenstimme mehrheitlich beschlossen habe. Dabei ging es nicht um die Ausrottung des Wolfs, sondern darum, dass das Tier bejagt werden könne. Denn alle drei Jahre verdoppele sich laut Verwaltungschef die Population. Zudem seien die Wolfsübergriffe auch für den Tourismus am Elberadweg nicht gut. „Wenn Radler durch die hiesige Region fahren und dann die gerissenen Schafe sehen, ist das kein schöner Anblick.“

Für Wasserwehr-Chef Sandmann erfüllen die Schafe eine wichtige Aufgabe hinsichtlich der Deichpflege. Er spricht vom „goldenen Tritt“, den die Tiere haben und damit beispielsweise Maulwurfshügel und Mauselöcher beseitigen – alles voll ökologisch. Damit werde der Landebetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) bei der Pflege der Schutzanlagen entlastet. Der LHW-Flussbereich Osterburg habe für die Deichpflege Verträge mit mehreren Schäfern abgeschlossen.

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