Wanzeraner Dietrich Seifarth erinnert sich an eine Schikane im einstigen DDR-Sperrgebiet

Mit der MPi im Rücken zur Kaserne

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Aufgrund eines vergessenen Personalausweises musste der Wanzeraner mit einer MPi im Rücken einen acht bis neun Kilometer langen Fußmarsch zur Kaserne nach Aulosen antreten.

Wanzer/Aulosen. Der Wanzeraner Dietrich Seifarth hat mit den Mächtigen in der einstigen DDR keine guten Erfahrungen gemacht. Als Leiter der örtlichen Gaststätte im ehemaligen Sperrgebiet musste er zwei Rauswürfe über sich ergehen lassen (die AZ berichtete).

Aber er hat noch mehr erlebt, wie er der Altmark-Zeitung schildert und eine besondere Demütigung noch wie damals in Erinnerung.

Dietrich Seifarth wurde im Sperrgebiet verhaftet.

Seit 1954 gab es in Grenznähe zur BRD das Sperrgebiet der DDR. Es war 1958, als Seifarth dort auf einer landwirtschaftlichen Fläche tätig war, als Grenzposten von ihm die Vorlage des Personalausweises verlangten. Doch den hatte der Altmärker zu Hause vergessen. Und dann begann für den Wanzeraner die unangenehme Prozedur. „Sie sind verhaftet“, brüllte man ihn an. Das Kuriose daran – Wachtposten und Seifarth kannten sich. Doch Befehl war Befehl. Der Grenzschützer kontaktierte die Kompanie in Aulosen, und deren Chef Christof Galster wollte den Wanzeraner vorgeführt wissen. So schildert Seifarth die Begebenheiten an dem Tag. Mit der MPi im Rücken wurde ein etwa acht bis neun Kilometer langer Fußmarsch von den Elbwiesen zur Kaserne im besagten Aulosen angetreten. Unterwegs traf Seifarth seinen Großvater, der nur meinte: „Junge, was ist denn los?“ „Antwort: „Ich habe meinen Ausweis vergessen und nun bringt man mich zur Grenzkompanie.“ Der Opa fuhr schleunigst mit dem Rad nach Hause und holte das Dokument, das er seinem Dietrich noch vor Aulosen zustecken konnte. In der Kaserne musste sich Seifarth dann vom Chef Galster eine Standpauke anhören, bis er nach einer halben Stunde gehen konnte. Galster, so der Wanzeraner, lebe heute in der westlichen Altmark.

Von Thomas Westermann

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