Bekämpfung des Schädlings gestaltet sich aufgrund der Witterung schwierig

Pollitz: Luftangriff auf Spinnerraupen

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Gestern wurden vom Pollitzer Sportplatz aus mit dem Helikopter große Teile der Verbandsgemeinde Seehausen beflogen.

Pollitz – Die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners, kurz EPS genannt, aus der Luft gestaltete sich in diesem Jahr in der Verbandsgemeinde Seehausen besonders schwierig. Grund dafür ist das windige Wetter. Schon traditionell wird auf dem Pollitzer Sportplatz gestartet.

Die ersten Flüge waren am Freitagnachmittag in der vergangenen Woche vorgesehen, das misslang. Auch am Sonnabendmorgen gab es lediglich einige Probeflüge (die AZ berichtete).

„In diesem Jahr ist die Bekämpfung mit dem Helikopter nicht so einfach. Wir haben viele Pausen durch den Wind“, meint Björn Schünemann, seines Zeichens Sachgebietsleiter im Ordnungsamt der Verbandsgemeinde Seehausen. Doch gestern hat es geklappt, wenn auch wieder mit Unterbrechungen. Kurz nach 5 Uhr startete die Maschine eines baden-württembergischen Unternehmens, um das Biozid „Foray Es“ auf die Eichen auszubringen.

Der Wirkstoff des Mittels basiert auf einem Protein, das durch seine selektive Wirkung besonders nützlingsschonend und nicht bienengefährlich sein soll. Am Vormittag musste dann wieder eine Zwangspause eingelegt werden, da ansonsten „Foray Es“ nicht dort hingelangen konnte, wo es sollte. Sozusagen vom Winde verweht. Übrigens befinden sich die für Menschen gefährlichen Spinnerraupen im ersten und zweiten Entwicklungsstadium. Bis zum dritten Stadium verspreche die Bekämpfung Erfolg, war von Diana Hey von der Unteren Forstbehörde des Landkreises zu erfahren, die gestern in Pollitz ebenso vor Ort war wie Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth. Für das leibliche Wohl der Anwesenden sorgte die Pollitzerin Wilma Pusch mit Kaffee und auch belegten Brötchen.

Laut Schünemann wurden in der Verbandsgemeinde 2300 Eichen vom Boden aus bekämpft. Die Maßnahme konnte in der vergangenen Woche abgeschlossen werden. Beflogen werden insgesamt 182 Hektar. Besprüht waren gestern etwa zwei Drittel der Gesamtfläche. Das letzte Drittel soll heute in der Gemeinde Altmärkische Höhe erfolgen. Dann erfolgt das Fliegen von Sanne-Kerkuhn aus.

Übrigens wird auf die neue Methode der Bekämpfung mit Heißschaum, die im vergangenen Herbst in Osterburg vorgestellt wurde, verzichtet. Der Landkreis schließt die in Inanspruchnahme des neuen Verfahrens nicht aus, möchte jedoch erst auf Erfahrungen mit der neuen Methodik warten. Probleme werden derzeit noch für folgende Punkte gesehen: Das Heißschaum Verfahren sei zwar ohne Biozid-Einsatz, wirke jedoch nicht selektiv nur gegen den EPS, sondern gegen alle Lebewesen, die sich an der Eiche befinden, da die Eiweißstrukturen aller Lebewesen zerstört werden, informiert eine Sprecherin des Landkreises Stendal auf AZ-Anfrage.

Insbesondere Eichen beherbergen eine vielfältige, reiche Insektenwelt, sodass dort unter anderem naturschutzrechtliche Probleme auftreten könnten. Oberkronen seien mit den dicken Schläuchen des Heißschaumverfahrens in der Praxis wohl nur schwer zu behandeln. Die Anwendung des Verfahrens in der senkrechten sei neu. Allerdings befänden sich schwerpunktmäßig in der Oberkrone die Eier des Eichenprozessionsspinners. Weiterhin müsse die Maschine wohl sehr genau eingestellt sein, um einen Schaumteppich zu erzeugen, der wirkungsvoll eine schnelle Abkühlung verhindert. Es gebe daher noch etwas Skepsis bezüglich der effektiven Umsetzung des Verfahrens, sodass man Referenzen abwarten wolle.

VON THOMAS WESTERMANN

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