Stendaler Eisenbahnfreunde helfen Seehäuser Archiv

Originale Bahnhofsskizzen in der Spur

Eisenbahnfreund Michael Trösken zeigt originale Baupläne für den Bahnhof Seehausen.
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Bahnfreund und Hobby-Historiker: Michael Trösken zeigt in Stendal einige historische Pläne, die sich das Stadtarchiv in Seehausen anschauen und kopieren kann.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Originale Bauskizzen können Gold wert sein. Eisenbahnfreund Michael Trösken aus Stendal und Mitstreiter lassen das Stadtarchiv Seehausen mit mehreren Zeichnungen aus ihrem Fundus arbeiten.

Seehausen – „Solche historischen Dokumente können Gold wert sein.“ So überzeugt Michael Trösken davon ist, so gern stellt er auch alte Skizzen und Bauzeichnungen von Bahnanlagen anderen zur Verfügung. In dieser Woche soll es das Stadtarchiv in Seehausen sein, das sich im Fundus des Stendalers bedienen möchte. Nach einem AZ-Artikel vor einiger Zeit hätten sich die Wischestädter an ihn gewendet und um Unterstützung gebeten. Die oftmals über 100 Jahre alten Blätter zum Empfangsgebäude und anderem mehr darf sich das Archiv kopieren. Offenbar wolle nicht zuletzt das Bauamt damit arbeiten und noch bestimmte Grundstücksfragen beantworten. Irgendeinen Zusammenhang mit den Waldbesetzern bei Losse, die derzeit im ausrangierten Bahnhof ihren Stützpunkt haben, sieht Trösken nicht.

Mit einer originalen Bauzeichnung vor gut zwei Jahren vorm Bahnhofsgebäude in Seehausen. Die Zukunftsfrage scheint noch recht ungeklärt. Das backsteinerne Objekt ist längst ausrangiert, die modernen Bahnsteige liegen dahinter.

Fast auf den Monat genau vor zwei Jahren ließ der Altmärker die AZ tiefer in sein Archiv blicken. In einem übermannshohen Schrank sind 1000 Blätter und mehr aufbewahrt. In der Regel tragen sie an den Hinweis „Papiermühle Bitterfeld“. Trösken mag alte Autos und die Eisenbahn. In der DDR gehörte er einem Modelleisenbahnverein an. Die Arbeitsgemeinschaft hatte demnach einen ganz guten Draht zur Bahnmeisterei Stendal, die für die Liegenschaften in der Gegend zuständig war. In den 1970er-Jahren kam es zu einer größeren Aufräumaktion, ganze Berge von Zeichnungen sollten in die Papiermühle. Die Eisenbahnfreunde bewahrten die Zeitzeugnisse vor dem Schredder. Zwei Trabants waren voll bepackt. Der Schrank scheint voller Schätze aus der halben Altmark.

Trösken: Kein Bezug zu Waldbesetzern von Losse

Neben den Unterlagen zu Seehausen wünsche sich das Archiv auch die über Geestgottberg und Behrend. Skizzen von bestimmten Grundstücken, Gebäuden und Schienenverläufen zu finden, sei mitunter eine Herausforderung, meint Trösken. Der schieren Anzahl wegen. Und ja, abschließend gesichtet, geordnet und bewertet sei das Ganze nun einmal noch immer nicht. Schon in der Vergangenheit hatte der Stendaler einmal betont, dass Eisenbahnfreund Frank Barby und er den Bestand und die ehrenamtliche Arbeit gern mit anderen teilen würden. Auf dem Tisch liegt eine Zeichnung vom historischen Empfangsgebäude in Gardelegen. Trösken könnte auch Beispiele aus Stendal, Salzwedel, Goldbeck und anderen Orten der altmärkischen Eisenbahnwelt zeigen.

Dokumente mehr als 100 Jahre alt

Ein Westaltmärker hatte vor gut fünf Jahren das Seehäuser Gebäude von der Deutschen Bahn übernommen und wollte es mit neuem Leben erfüllen. Trösken hatte dem Besitzer daraufhin öffentlich ein glückliches Händchen gewünscht. Inwieweit sich die Eigentumsverhältnisse inzwischen geändert haben, wisse er nicht. Für ihn blieben selbst Empfangsgebäude außer Dienst die Visitenkarte eines Ortes. „Sie sollten nicht leer stehen.“ Der Stendaler kann sich nach wie vor im Seehäuser Komplex vor allem einen kleinen Nahversorger vorstellen, auch eine Gaststätte und Wohnungen. Trösken, der sein Geld mit Werbung und Druckerzeugnissen verdient, schiebt einige großformatige Blätter zusammen. Mindestens eines ist 117 Jahre alt.

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