Interview: Oberbürgermeisterwahl in Dessau-Roßlau

Altmärker Robert Reck will ins höchste Amt

Bürgermeister Dr. Robert Reck Ende 2015 in seinem Büro in Seehausen.
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Robert Reck, von Hause aus nicht zuletzt Wirtschaftsingenieur, Ende 2015 an einem seiner letzten Arbeitstage in Seehausen. Nun will er in Dessau-Roßlau Peter Kuras (FDP) beerben, der sich nicht mehr zur Wahl gestellt hat. Dessau-Roßlau ist eine von drei kreisfreien Städten in Sachsen-Anhalt, Magdeburg und Halle sind die zwei anderen.
  • Marco Hertzfeld
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Altmärker Dr. Robert Reck will Oberbürgermeister von Dessau-Roßlau werden. In der Stichwahl kommt es zum Duell mit einem CDU-Bewerber. Vor einigen Jahren hatte Reck noch das Zepter in der Verbandsgemeinde Seehausen geführt. Die AZ hat das frühere SPD-Mitglied befragt.

Dessau-Roßlau – Ein Altmärker kämpft am 27. Juni in Dessau-Roßlau um den Posten des Oberbürgermeisters (OB). Dr. Robert Reck (parteilos) hat sich Anfang Juni neben Eiko Adamek (CDU) gegen weitere sechs Kandidaten durchgesetzt und es in die Stichwahl geschafft. Wer es nicht mehr weiß: Reck hatte 2015 nach drei von sieben Jahren als Seehäuser Verbandsgemeindebürgermeister die Segel gestrichen und war nach Anhalt gewechselt. Die AZ hat den ambitionierten OB-Bewerber Reck, Jahrgang 1983, in dieser Woche nach Umbrüchen in der alten und neuen Heimat befragt.

Sie haben damals die Verbandsgemeinde Seehausen und die Altmark für einen Topjob in Dessau-Roßlau verlassen. Warum reicht Ihnen die Aufgabe eines Beigeordneten für Wirtschaft, Kultur und Sport dort nicht mehr aus?

Ich bin gerne Beigeordneter. Aber unser Oberbürgermeister geht in den Ruhestand und ich wurde gefragt. Nach gründlicher Überlegung habe ich mich entschieden und bin gern bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen. Als OB hat man viele Gestaltungsmöglichkeiten, die ich gern nutzen möchte.

Es in eine Stichwahl geschafft zu haben, kann manchen schon ein Beleg dafür sein, zumindest politisch angekommen zu sein. Was hat Ihnen dabei geholfen?

Zum einen habe ich gute Freunde und Bekannte gewonnen, zum anderen macht mir meine Arbeit Freude. Die gute Zusammenarbeit mit dem OB, innerhalb der Verwaltung, mit dem Stadtrat, mit vielen Bürgern und Unternehmen und auch mit dem Land bewirkt, dass es Jahr für Jahr vorangeht.

Sie wollen tatsächlich ohne eigene Hausmacht Oberbürgermeister werden. Inwieweit bereuen Sie es, das SPD-Parteibuch im vergangenen Jahr abgegeben zu haben?

Ich bin ausgetreten, weil mir das Auftreten auf Landesebene nicht gefallen hat. Ich habe immer gut mit unserem Stadtrat zusammengearbeitet, der mich als Beigeordneter auch gewählt hat. Entscheidend sind Wertschätzung, Aufgeschlossenheit für unterschiedliche Ideen und Kompromissfähigkeit – immer zum Wohle der Stadt. Es stehen auch Stadtratsfraktionen hinter meiner Kandidatur.

Die CDU, zu der auch Ihr Mitbewerber zählt, ist in der Altmark und in zahlreichen anderen Regionen Sachsen-Anhalts die stärkste Kraft. Welche Chancen rechnen Sie sich für den 27. Juni aus?

Ich bin von Natur aus Optimist und ein zuversichtlicher Mensch. Wer OB wird, entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Ich werbe als Person und mit meinen Ideen für eine Mehrheit.

Sie galten einst als jüngster Bürgermeister im Land, inwieweit haben Ihnen die Seehäuser Erfahrungen bislang in Anhalt weitergeholfen?

Ich habe als junger Mensch die Möglichkeit bekommen, früh Verantwortung zu übernehmen und wichtige Erfahrungen zu sammeln. Davon werde ich immer profitieren und dafür bin ich sehr dankbar.

In der Verbandsgemeinde halten Autobahngegner ein Waldstück besetzt, die Räumung droht. Wie schätzen Sie die Situation aus der Ferne ein?

Ich möchte nicht von außen kluge Ratschläge erteilen.

Die A 14 haben Sie ja damals nie ganz so euphorisch gesehen wie andere in der Region. Wie hätte ein Verbandsbürgermeister Reck gehandelt?

Für eine bessere Verkehrsanbindung war ich immer und ich bin dafür, dass nun zügig fertig gebaut wird. Dass sich nicht wenige Menschen in der Altmark mehr Mobilität wünschen, verstehe ich sehr gut. Altmärker, die vor Ort leben und persönlich von Nachteilen betroffen oder anderer Meinung sind, haben natürlich das Recht, dies auch auszudrücken. Nicht jeder muss die Autobahn gut finden.

Sie haben Familie in Seehausen und Umgebung. Was fehlt Ihnen eigentlich so alles in Dessau-Roßlau?

Ich freue mich immer, wenn ich meine Familie und Freunde in der Altmark besuchen und sehen kann. Schade ist, dass ich sowohl mit der Bahn als auch mit dem Auto fast drei Stunden benötige, um anzureisen.

Das Bauhaus und somit quasi Anhalt haben auch in der Altmark Spuren hinterlassen. Wie sieht es eigentlich umgekehrt aus, was steckt von der Altmark in Anhalt?

Johann Joachim Winckelmann hatte Einfluss auf die Gestaltung des Dessau-Wörlitzer Gartenreichs. Auch Albrecht der Bär verbindet die Altmark und Anhalt.

Ein Altmärker als Oberbürgermeister in einer Stadt wie Dessau-Roßlau, wenn es denn gelingt. Inwieweit wissen Sie von vergleichbaren Karrieren?

Sie sagen es, noch bin ich es nicht. Ich möchte gern Oberbürgermeister werden und wünsche es mir. Lassen Sie uns die Frage aufheben, bis es so weit ist.

Die Altmark hat ja schon jetzt einen Mann in Anhalt, Sie sind Beigeordneter in der kreisfreien Stadt. Inwiefern spielte das schon einmal irgendeine Rolle, wo hat es für wen gefruchtet?

Ich denke, dass es besonders dann von Bedeutung ist, wenn es darum geht, eine gemeinsame Identität zu identifizieren. Über jeden Besuch freue ich mich. Erst kürzlich wieder durfte ich Seehäusern eine kleine Stadtführung geben. Dienstlich habe ich auch ab und an Kontakt in die Altmark. Über den kurzen Weg tauschen wir Informationen aus.

Inwieweit könnte die erste Dienstreise eines OB Reck in die Altmark und sogar nach Seehausen führen?

Die erste Dienstreise wird es vermutlich nicht, aber wahrscheinlich kommt vor der ersten Dienstreise ein Besuch bei meinen Eltern. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir Johann Joachim Winckelmann, Albrecht der Bär, die Architekturmoderne und die Gartenträume nutzen, um einander zu besuchen, zum Beispiel mit Bürgerreisen und Klassenfahrten. Unternehmenspartnerschaften sind auch möglich. Übrigens verbindet Seehausen und Roßlau bereits länger die Tradition der Elbestädte.

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