Ort mehr als 650 Jahre alt

Nicht einmal ein halbes Dutzend: In Scharpenlohe leben vier Einwohner

+
Landwirt Holger Müller fährt regelmäßig in den Ort, wo Christoph Koch, seine Schwester Friedegard sowie Marlies Grant und Ulrich Becker inzwischen die einzigen Einwohner sind. (v.l.).

Scharpenlohe – Wenn in unserem Dorf jemand Geburtstag hat, dann wird dazu das ganze Dorf eingeladen. “ Diese oft angezweifelte Aussage stammt von Christoph Koch, dem Urgestein aus Scharpenlohe, der scherzhaft auch als der Bürgermeister des Ortes bezeichnet wird.

Seine Aussage stimmt 100-prozentig, denn in diesem Ort wohnen oder besser gesagt, sind nur vier Einwohner amtlich gemeldet. Dieses idyllisch gelegene Fleckchen Erde liegt am Stromkilometer 444 der Elbe, dort, wo sich vor circa 250 Jahren eine Schiffsmühle befand und von Treidlern die Elbkähne flussaufwärts gezogen wurden.

Dieser beschauliche Ort befindet sich acht Kilometer südlich von Wittenberge und sieben Kilometer östlich von Seehausen. 1339 gab es für Scharpenlohe die erste bekannte urkundliche Erwähnung. Fast die Hälfte des Dorfes gehörte im 18. und 19. Jahrhundert dem Adelsgeschlecht von Barsewisch aus Seehausen an. Natürlich waren die Einwohnerzahlen in der Vergangenheit größer. Vor rund 200 Jahren lag das Maximum bei 83 Bewohnern der temporären Insel bei Hochwässern.

Sollte es zu einer weiteren Erhöhung des Elbdeiches bei Beuster geben, so wären die Folgen für Scharpenlohe fast unabsehbar, denn beim letzten Hochwasser vor sieben Jahren stand das Wasser bis hoch in die Wohnräume der Gehöfte und verursachte immense Schäden.

Zu DDR-Zeiten wurde das umgebende Grünland kollektiv für die Rinderaufzucht genutzt. Nach der Wende erwarben die damals in Scharpenlohe lebenden Brüder Torsten, Holger und Ronald Müller zusammen mit ihren Eltern das volkseigene Gut in Esack (bei Beuster) und gründeten die Milchhof GbR Müller. Das Elternhaus der drei Brüder wurde bei den letzten beiden Hochwässern arg in Mitleidenschaft gezogen.

Ein Abriss dieses Gebäudes war für die Gebrüder Müller keine Alternative. So wurde beschlossen, mit vereinten Kräften ihr Geburtshaus einschließlich der landwirtschaftlichen Nebengebäude wieder zu alter Schönheit zu restaurieren. Das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. Seit drei Jahren gibt es um die Adventszeit in den Wohnstuben des Hauses ein Treffen von Frauen, Männern und Kindern, deren Lebensweg mit dem Ort Scharpenlohe in einer Art und Weise verbunden ist.

Vor wenigen Tagen empfingen Ronald Müller und seine Frau Christine wieder rund 50 Besucher zur Konversation und servierten ihnen leckere Torten. Zusammen mit den Bewohnern von „Scharpenlohe, dem Ort irgendwo an der Elbe“, wie es auf dem neugestalteten Ortseingangsschild steht, wurde das Gastgeberhaus herausgeputzt.

Mit Einbruch der Dämmerung spendeten unzählige Kerzen ihr warmes Licht. Doch bevor die 19 Torten angeschnitten wurden, gab es erst einmal für einige Besucher mit den „Eingeborenen“ Christoph Koch und seiner Schwester Friedegard sowie Ulrich Becker und Marlies Grant einen Fototermin am besonderen Ortseingangsschild, welches mit Tannengrün umkränzt war.

VON WALTER SCHAFFER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare