Kohlendioxid-Bepreisung im Blick

Zwei Forstbetriebsgemeinschaften beziehen Geschäftsstelle in Seehausen

Neue Geschäftsstelle Forstbetriebsgemeinschaften in Seehausen
+
Inga Ziese (v.l.), Rüdiger Kloth, Yvonne Hänsel, Theo Allering, Katja Döge, Kay Richard Landwers und Detlef Neumann vor der neuen Geschäftsstelle der Forstbetriebsgemeinschaften an der Seehäuser Bahnstraße.
  • Thomas Westermann
    vonThomas Westermann
    schließen

Seehausen. Die Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) Priemern und Osterburg haben nun eine gemeinsame Geschäftsstelle. Zur offiziellen Eröffnung in der Seehäuser Bahnstraße 15 konnten die Vorsitzenden Kay Richard Landwers (Priemern), Theo Allering (Osterburg) sowie Geschäftsführerin Yvonne Hänsel und Mitarbeiterin Inga Ziese Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth, das Seehäuser Stadtoberhaupt Detlef Neumann und Katja Döge, die Leiterin des in Arendsee ansässigen Betreuungsforstamtes Nordöstliche Altmark begrüßen.

In den Räumen werden die FBG Priemern (320 Mitglieder mit über 4900 Hektar) und die FBG Osterburg (870 Mitglieder mit circa 5000 Hektar) betreut. Mit ernsthafter Sorge, aber auch mit Zuversicht blicken die Vorsitzenden Landwers und Allering nach vorne. Waren die vergangenen vier Jahre herausfordernd und durch den Preisverfall an den Holzmärkten für einige Waldbesitzer existenzgefährdend. Dennoch habe die Gemeinschaft vieles aufgearbeitet und wieder aufforsten können, wenn auch oft das Geld für weitere Maßnahmen fehlt.

Seit den Herbststürmen 2017 und in den darauf folgenden Trockenjahren wurden in den Forstbetriebsgemeinschaften Priemern und Osterburg rund 162 000 Festmeter Holz eingeschlagen. Davon waren circa 114 000 Festmeter sogenanntes Kalamitätsholz (Schadholz). In den beiden FBGen wurden seit 2018 bislang 67 Hektar Laub- beziehungsweise Laubmischbestände neu angepflanzt und wieder aufgeforstet. Für dieses Jahr ist die Aufforstung von 22 Hektar Laub- oder Laubmischbeständen sowie 13 Hektar Nadelholzbeständen in Planung und Umsetzung. „Wir werden die Waldbesitzer weiter motivieren, vermehrt Mischbestände zu pflanzen“, sagte Döge. Dabei spielen Laubbaumarten wie Eiche, Birke, Linde, Hainbuche und Roteiche als Mischbaumarten eine wichtige Rolle. Zum eine verbraucht laut Döge Laubholz im Winter kein Wasser und unterstützt, dass der Wasserspeicher Waldboden sich immer wieder füllen kann.

„Gerne würden wir deutlich mehr Laubholz auf unseren Flächen ausbringen“, sagen die beiden Vorsitzenden, aber leider seien Bodenbeschaffenheit und Nährstoffgehalt der altmärkischen Böden an vielen Stellen dafür nicht ausreichend. Daher werde die heimische Kiefer in der Region vorherrschende Baumart bleiben, ergänzt durch Küstentanne und Douglasie.

Die hiesigen Waldbesitzer unternehmen alle Anstrengungen, um den Wald weiter zu stabilisieren und für die nächsten Generationen zu erhalten. Dass dieses dem Interesse dienen soll, müsse noch viel stärker in die Wahrnehmung der Gesellschaft rücken. Vor diesem Hintergrund betont Landwers, dass „in der aktuellen Diskussion um die Kohlendioxid-Bepreisung die Werthaltigkeit und die Wichtigkeit unserer deutschen Waldbestände berücksichtigt werden muss“. Acht Tonnen Kohlendioxid würden jedes Jahr auf einen Hektar Wald gespeichert. Allein auf den Flächen der FBG Priemern seien das fast 80 000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Diese Leistung, die nur durch aktive Bewirtschaftung der Waldbestände für die Allgemeinheit geleistet werden könne, müsse auch vergütet werden und bei den Waldeigentümern ankommen, damit sie ihre Aufgaben langfristig erfüllen können. „Hier müssen alle Parteien an ihrem nach außen getragenen Gerechtigkeitsgrundsatz noch deutlich nacharbeiten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare