25 Jahre Grünes Band: Auen-Juwel soll zur Biosphärenreservatskernzone werden

Der Natur freien Lauf lassen

Dieter Leupold, Projektleiter Grünes Band beim BUND, zeigt bei einer Bootstour auf der Elbe ein Luftbild von der Hohen Garbe und berichtet über deren einzigartige Auenwildnis, die er als Juwel bezeichnet. Rechts: BUND-Vorsitzender Professor Hubert Weiger.
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Seehausen. Unberührte Natur, die dauerhaft geschützt werden soll, hat sich an der einstigen innerdeutschen Grenze entfaltet.

Vor 25 Jahren hatte der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) die Idee, die ehemalige Trennlinie in ein Grünes Band des Lebens zu verwandeln. Noch bleibt aber viel zu tun, um das Grüne Band zu erhalten. Auf 13 Prozent seiner Fläche beziehungsweise 180 Kilometer Länge ist es praktisch unkenntlich, meist überprägt von intensiver Landnutzung.

Das soll sich ändern. Welche Maßnahmen dafür ergriffen werden müssen, schilderten Dieter Leupold, Projektleiter Grünes Band beim BUND, und Eike Granitzki vom Biosphärenreservat Mittelelbe für das Gebiet der Hohen Garbe bei einer Bootsfahrt auf der Elbe. Das rund 200 Hektar große Areal, gelegen in der Verbandsgemeinde Seehausen, sei für die beiden eines der wenigen verbliebenen Auen-Juwele. Eichen und Flatterulmen mit einem hohen Anteil an Alt- und Totholz bilden eine typische Hartholzaue. Doch diese müsse regelmäßig überschwemmt werden, um lebendig zu bleiben. In der Hohen Garbe sei die natürliche Dynamik durch einen alten Deich unterbrochen, der nach Ansicht der Experten an geeigneten Stellen geschlitzt werden müsse, damit die Elbe ungehindert einströmen und abfließen könne und die Hohe Garbe wieder an den natürlichen Wechsel von Hoch und Niedrigwasser angeschlossen werde.

Der Baumbestand sei rund 150 Jahre alt, berichtet Leupold und weiß, dass sich dort unter anderem Schwarzstorch und Seeadler wohlfühlen, allerdings dort seit Jahren nicht mehr brüten. Das soll mittels eines Flächenankaufs und -tauschs durch den BUND anders werden. Mehr noch – es wird eine Biosphärenreservatskernzone angestrebt, so dass die freie Entfaltung der Natur ohne menschliche Eingriffe ihren Lauf nehmen kann. Die Eiche dürfte jedoch dabei auf der Strecke bleiben. Sie ist jetzt schon durch den Eichenprozessionsspinner arg geschädigt. Eike Granitzki sieht es eher gelassen. „Wenn die Eiche in der Hohen Garbe verschwinden sollte, entsteht durch die Natur eben etwas Neues.“

Hinsichtlich des bereits erwähnten Flächenkaufs durch den BUND gibt sich Dieter Leupold optimistisch, obwohl mit verschiedenen Eigentümern umfangreiche Verhandlungen geführt werden müssen. Dazu gehören unter anderem das Land Sachsen-Anhalt und Privateigentümer. Landwirtschaftliche Nutzflächen möchte der BUND mit den Bauern tauschen. Beim Kauf beziehungsweise Tausch geht es um eine Fläche von rund 25 Hektar.

Von Thomas Westermann

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