Wahrenberger gegenüber Biogasanlage aufgeschlossen / Haushalte können von Wärme profitieren

Mummelthey: „Es stinkt nicht mehr“

Biogasanlagenerbauer und -betreiber Tobias Westermann (v.r.), Versammlungsleiter und Gemeinderatsmitglied Norbert Krebber und Bürgermeister Hans Hildebrandt im Gespräch mit den Einwohnern.

Wahrenberg. Es ist ein lupenreiner Schwarzbau – die Rede ist vom ersten Behälter einer Biogasanlage auf einem landwirtschaftlichen Areal in Wahrenberg, ein weiterer wird folgen.

Der Geschäftsführer der Bio-Gasanlage Wahrenberg GmbH, Tobias Westermann, handelte schnell und eigenmächtig, weil bestimmte Förderrichtlinien Ende des vergangenen Monats ausliefen. Einige Storchendörfler sehen es gelassen, bei anderen erhitzen sich die Gemüter.

Der Aland-Gemeinderat wurde seitens des Landkreises um eine Stellungnahme zum Bauprojekt gebeten, doch der will in dieser Angelegenheit die Meinung der Wahrenberger erfahren. Bürgermeister Hans Hildebrandt hatte diesbezüglich vorgestern kurzfristig zu einer Einwohnerversammlung ins örtliche Vereinshaus eingeladen. Er machte deutlich, dass über die Genehmigung der Anlage nur der Landkreis Entscheidungsbefugnis habe, „wir können lediglich dazu Stellung beziehen – mehr nicht“.

Kritisch sehen die Anlage Karl-Heinz Köhler und Jürgen Pusch. Letzterer meinte, dass der Investor „damit nur Geld verdienen will“. Doch die Mehrheit der Einwohner steht der Biogasgewinnung durchaus positiv gegenüber. Zumal etliche Haushalte von der gewonnenen Wärme in dem geplanten und noch zu bauenden Blockheizkraftwerk profitieren könnten. Laut Tobias Westermann, der bei der Zusammenkunft anwesend war, verfüge die Anlage über 360 Kilowatt elektrische Leistung sowie 360 bis 400 Kilowatt thermische Leistung. Der Erbauer und Betreiber von Biogasanlagen, der bei Werben Landwirtschaft praktiziert, verwies auf seine Anlagen bei Havelberg und lud interessierte Wahrenberger zu einem Besuch dorthin ein, um sich mit eigenen Augen ein Bild von der Technik zu machen. Unternehmer Westermann, der sich bewusst ist, dass er vom Landkreis Stendal eine Strafe für den noch nicht genehmigten Bau erhalten wird und diese akzeptiert, hat auch das landwirtschaftliche Gelände am Wahrenberger Mietenberg erworben und will die teils verfallenen Ställe abreißen und damit für ein schöneres Ortsbild sorgen. Die Rinderzucht an dem Standort soll aber nach wie vor Bestand haben. Viele Wahrenberger freuen sich indes, dass mit der Biogasanlage der Güllegestank der Vergangenheit angehört, denn die geruchsintensiven Stoffe Ammoniak und Methan werden in dem Behälter verbrannt. Bernd Mummelthey als erfahrener Landwirt brachte es auf den Punkt: „Biogas ist sicher und es stinkt nicht mehr.“

Hinsichtlich der Wärmeabgabe könnten im Storchendorf rund 40 Haushalte beliefert werden, schätzt Tobias Westermann. Rund 60 Haushalte werden von seinen Anlagen im Havelberger Raum mit Wärme versorgt – und das zu einem attraktiven Preis. „Mit 4,5 Cent pro Kilowattstunde haben sich die Kosten im Gegensatz zum Heizöl um etwa 50 Prozent reduziert.“ Ein Anwesender artikulierte sich so: „Mit dem Abriss der alten, unansehnlichen Ställen und der Neugestaltung des Areals verschwindet ein Schandfleck. Und zum anderen profitieren die Leute von kostengünstiger Wärmeenergie.“

Von Thomas Westermann

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