Mühlenflügel drehen bald wieder

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Am mitgebrachten Holzzahnrad der Mühle symbolisierten alle Anwesenden ihren Willen zur Unterstützung dieses technischen Projektes.

Beuster - Von Walter Schaffer . Windmühlen, die den Wandel von der Agrar- zur Industriegesellschaft mit einleiteten, gab es in unserer Region fast in jedem Dorf. Mit fortschreitender Industrialisierung änderte sich ihr äußeres Erscheinungsbild. Dampf-, Diesel- und Elektromotoren lösten den Wind als Energiequelle ab. Flügel und Hauben verschwanden,

Bockwindmühlen wurde festgesetzt und Anbauten für Motoren kamen hinzu. Industrielle Großmühlen übernahmen das Mahlgeschäft, und dies führte zu einem Massensterben der Windmühlen, die viele Jahrhunderte lang zu den größten energieumwandelnden Maschinen zählten. Gut 200 dieser technischen Relikte gibt es heute noch in mehr oder minder gutem Zustand in Sachsen-Anhalt. Engagierte Mühlenfreunde konnten etliche Schauanlagen erhalten. Auch in Beuster gab es mehrere solcher Windmühlen, deren ehemalige Standorte nur noch den sehr alten Einwohnern bekannt sind. Da es in dem Ort auch das Blaulichtmuseum mit alter Technik gibt, wäre es doch schön, wenn solch eine Windmühle auf dem Areal des Museums seine Flügel drehen würde. Dieser Meinung waren jedenfalls Ralf von Hagen und Rüdiger Schwesig aus Beuster/Werder. Rüdiger Schwesig, bekannt mit seinen offenen Garten mit den riesigen Rhododendronbüschen, baute im Jahre 2001 die Bockwindmühle oder besser gesagt, was davon noch übrig war, in Deutsch ab und veräußerte sie drei Jahre später an den „Förderverein Historische Bockwindmühle Lenzen e.V.“ Dieser Verein wollte die Mühle in einen betriebsbereiten Zustand versetzen, damit Mehl mahlen und eine Schaubäckerei betreiben. Für dieses Projekt waren 1,1 Millionen Euro veranschlagt. Die Eigenmittel, die zur Förderung aufgebracht werden mussten, waren bereits vorhanden.

Desinteresse und bürokratische Hürden im Rathaus ließen das Projekt sterben. Der Verein wurde daraufhin am 24. März in diesem Jahr aufgelöst. Der Pressesprecher des Vereins, Georg Grüneberg, und der ehemalige Vereinsvorsitzende Rüdiger Schwesig kamen daraufhin mit Ralf von Hagen ins Gespräch, in dessen Ergebnis die Mühle nun in Beuster ihren Standort finden soll. Im Beisein der beiden Bürgermeister Ewald Duffe und Reinhard Schwarz sowie des Bauamtsleiters Guido Mertens erfolgte am Dienstagnachmittag im Blaulichtmuseum per Protokoll die symbolische Übergabe des „Sachwertes“, die zerlegte, restaurierungsbedürftige, historische Bockwindmühle aus dem Jahre 1835.

„Wir hoffen und wünschen, dass das Blaulichtmuseum Beuster in Verbindung mit der Gemeinde und weiteren Partnern unseren unerfüllten Wunsch, die Bockwindmühle aufzubauen und in einen betriebsfähigen Zustand zu versetzen, gelingen möge“, so Georg Grüneberg bei der Unterzeichnung des Übergabeprotokolls.

Der genannte Personenkreis legte in der Runde seine Gedanken dar, wie und wo die Mühle aufgebaut werden soll und welche Nachfolgeeinrichtungen entstehen könnten, damit die touristischen Sehenswürdigkeiten der Verbandsgemeinde Seehausen noch besser zur Geltung kommen.

Am fertig gestellten Backhaus, in dem nun der Reisigbackofen eingebaut werden soll, waren solche Visionen wie Getreide mahlen, Brot backen, Schulklassenführungen im Gespräch. Georg Grüneberg aus Lenzen wird die Restaurierungsarbeiten begleiten, denn er hatte sich im Vorfeld bei Weiterbildungsveranstaltungen der Volkshochschule in Diepholz zum Wind- und Wassermüller ausbilden lassen. „Er wird natürlich Mitglied im Blaulichtmuseum, denn seine Seele steckt in der Mühle“, so Ralf von Hagen, und Bürgermeister Ewald Duffe stellte eine Ehrenbürgerschaft von Seehausen nach erfolgreicher Beendigung des Projektes in Aussicht.

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