Verwaltungschef Kloth sieht Chancen für die touristische Entwicklung

Mit dem Grünen Band punkten

Gedenkstätte Stresow am Grünen Band
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Dort, wo sich einst das Dorf Stresow an der innerdeutschen Grenze befand, entstand eine Gedenkstätte, die sich direkt am Grünen Band befindet.
  • Thomas Westermann
    vonThomas Westermann
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Seehausen. Das Grüne Band, das teilweise durch die Verbandsgemeinde Seehausen verläuft, wurde mit dem Grünes-Band-Gesetz als Nationales Naturmonument festgeschrieben. Für touristische Belange könnte es in Zukunft an Bedeutung gewinnen, schätzt Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (FW) im Gespräch mit der AZ ein.

Beim Grünen Band handelt es sich um ein Biotopverbund entlang des einstigen Eisernen Vorhangs, der sich über 12 500 Kilometer vom Eismeer bis an die Adria und das Schwarze Meer erstreckt. Für Kloth sei das Grüne Band in der Verbandsgemeinde und darüber hinaus „relativ intakt“. Die Natur konnte sich 30 Jahre nach dem Ende von Stacheldraht und Mauer positiv entwickeln. Anders sehe es in der Börde aus, wo nach der Grenzöffnung Flächen am Grünen Band landwirtschaftlich genutzt werden. Der Verwaltungschef hat die Hoffnung, dass von Land und Bund irgendwann Geld fließt, um die touristische Infrastruktur voranzutreiben. „Die Kommunen sind dazu finanziell nicht in der Lage.“ Die Verbandsgemeinde Seehausen könnte beispielsweise mit der Nähe zum Luftkurort Arendsee punkten. Allerdings müsste dazu in Radwege investiert werden. Die vorhandenen Kolonnenwege, die einst von den DDR-Grenztruppen für Kontrollfahrten genutzt wurden, seien für Radfahrer im gegenwärtigen Zustand nicht geeignet. Beim Nationalen Naturmoment sollte auch die Aufarbeitung der geschichtlichen Rolle nicht vergessen werden. Umweltschutz sei zwar wichtig, aber andere Dinge müssten ebenso berücksichtigt werden. Von Bedeutung sind für Kloth am Grünen Band die Gedenkstätte Stresow bei Aulosen und der einstige Grenzturm in der Nähe von Bömenzien. Erstere erinnert an die 1952 begonnenen Zwangsaussiedlungen der circa 100 Dorfbewohner. Denn die heutige Landesgrenze zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt war bis 1990 auch innerdeutsche Grenze, wobei das Dorf Stresow im 500 Meter breiten sogenannten Schutzstreifen unmittelbar am DDR-Grenzzaun lag. 1974 mussten die letzten Familien bei einer Nacht- und Nebel-Aktion ihr Zuhause verlassen, vier Familien gelang in letzter Minute die Flucht in den Westen, heißt es auf der Internetseite der Verbandsgemeinde Seehausen. Stresow wurde von der DDR-Staatsmacht dem Erdboden gleich gemacht. An dieses Unrecht und das Dorf Stresow, das von der Landkarte verschwand, erinnert ein Original-Nachbau der damaligen DDR-Grenzbefestigungsanlagen. Umfangreiche Infotafeln und Karten veranschaulichen die Geschichte und Geschehnisse jener Zeit.

Mittlerweile gibt es einen Fachbeirat nach dem Grünes-Band-Gesetz Sachsen-Anhalt, in dem die Verbandsgemeinde Seehausen mitwirkt. Während seiner jüngsten Sitzung hatte der Verbandsgemeinderat Rüdiger Kloth als Vertreter im besagten Fachbeirat benannt. Als Stellvertreter wird laut Beschluss Bernd Kloss agieren.

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