90. Geburtstag von Reformer Gorbatschow: Kommunalpolitiker erinnern sich

„Er war ein Hoffnungsträger“

Gorbatschow besucht Deutschland
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Michail Gorbatschow: Heute feiert er seinen 90. Geburtstag. Seehäuser Kommunalpolitiker erinnern sich an seine Reformen, die die Grenzen öffneten.
  • Thomas Westermann
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Seehausen. Am 2. März 1931 kam Michail Sergejewitsch Gorbatschow im Nordkaukasus zur Welt. Als Generalsekretär der Kommunistischen Partei und Staatspräsident ist er zum großen Reformer der Sowjetunion geworden. Für seine Bemühungen um Frieden und Freiheit wurde er im Jahr 1990 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Heute feiert er seinen 90. Geburtstag.Die AZ hat ältere Kommunalpolitiker in der Verbandsgemeinde Seehausen befragt, ab wann sie damals geglaubt haben, dass Gorbatschow es ernst meint mit seinen Plänen zur Demokratisierung der UdSSR. Und: Wie dramatisch war diese Zeit?

Dr. Walter Fiedler, Mitglied im Seehäuser Stadtrat und Vize-Bürgermeister der Hansestadt, erinnert sich, dass etwa um 1987 Gorbatschows Reformbestrebungen aktuell geworden sind. Zumindest mit dem Gedanken von Glasnost und Perestroika. Damit waren Hoffungen verbunden, dass sich das sozialistische Lager in Richtung Westen öffnen werde. Doch die DDR habe mehr oder weniger die Schotten dichtgemacht. Dadurch begannen 1989 die friedlichen Demonstrationen. Dr. Fiedler bezeichnete den Besuchs Gorbatschows anlässlich des 40. DDR-Geburtstages als einen Höhepunkt. „Während der sowjetische Staatschef vom DDR-Volk draußen bejubelt wurde, blieben Honecker und seine Regierungsmitglieder außen vor. Gorbatschows Reformen haben letztlich zur friedlichen Revolution geführt.“

Willi Hamann ist Stadtratsmitglied in Seehausen und Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Wische und lebte zu Zeiten von Gorbatschows Reformen im westdeutschen Flensburg. „Im Westen hat damals keiner daran gedacht, dass sich die Grenzen öffnen. Ein Verdienst des sowjetischen Staatspräsidenten. Er hat die friedliche Revolution in der ehemaligen DDR ermöglicht, in dem er dagegen nicht eingeschritten ist.“

Bernd Kloss, Mitglied im Verbandsgemeinderat Seehausen, spricht von zwei Gefühlslagen. Er war davon beeindruckt, wie Gorbatschow die Gespräche mit Werktätigen suchte. „Er war ganz nah dran – von Mensch zu Mensch.“ Der Wanzeraner erinnert sich noch gut an die Leute, die immer wieder „Gorbi, Gorbi“ riefen. „Er war ein Hoffnungsträger angesichts der vielen alten Männer im sowjetischen Politbüro.“ Dank Gorbi gab es ein Stück weit Hoffnung. Aber Kloss sieht auch die andere Seite der Medaille. Durch seine Offenheit in der Politik habe er das ganze System eingerissen, so der Wahl-Altmärker, der einst in Hamburg wohnte.

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