Baustart am Prachtgebäude: Deutsche Stiftung Denkmalschutz übergibt 100 000 Euro

Für mehr Stabilität im Gebälk

Weil die Balken bei der Neueindeckung des Satteldachs vor 27 Jahren nicht grundlegend saniert werden konnten, steigen Fachleute der Johanniskirche wieder aufs Haupt. Drei Bauabschnitte sind geplant, die Gesamtkosten liegen bei fast zwei Millionen Euro. Foto: privat
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Weil die Balken bei der Neueindeckung des Satteldachs vor 27 Jahren nicht grundlegend saniert werden konnten, steigen Fachleute der Johanniskirche wieder aufs Haupt. Drei Bauabschnitte sind geplant, die Gesamtkosten liegen bei fast zwei Millionen Euro.
  • Antje Mahrhold
    VonAntje Mahrhold
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Werben. Baustart für das neue Satteldach der prächtigen Hallenbasilika in Werben: Im Laufe der nächsten Wochen und auch im neuen Jahr soll der erste von insgesamt drei geplanten Sanierungsabschnitten teilweise verfaulte Fußpunkte der Dachstuhlkonstruktion für die Zukunft stabil machen.

Ebenso ist der Einbau von neuen Klosterziegeln geplant.

Die Instandsetzung der Bauteile in der Höhe des prächtigen, dreischiffigen Backsteinbaus namens St. Johannis sei auf keinen Fall aufschiebbar, teilt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) mit. Ortskurator Dr. Volker Stephan hat zusammen mit Johanna Grude von Lotto Sachsen-Anhalt und dank der „Gisela und Ernst Alers-Stiftung“ jetzt 100 000 Euro für die rund 1,9 Millionen Euro teure Dachsanierung übergeben (die AZ berichtete).

So stehe die aufwändige Sanierung des Kirchenschiffdachs auf der Agenda, obwohl die Bauteile zuletzt erst vor 27 Jahren erneuert worden waren. Allerdings sei 1989 bei der Neueindeckung die Dachkonstruktion nicht grundlegend bearbeitet worden. „Der Ort Werben ist mit dem Erhalt des gewaltigen Kirchenbaus und dessen reicher Ausstattung überfordert“, begründet die DSD ihr Engagement. So zähle die Johanniskirche zu sachsen-anhaltweit mehr als 550 Projekten, die von der privaten Stiftung mithilfe von Spenden, Erträgen aus Treuhandstiftungen sowie Mitteln der Glücksspirale und der der Rentenlotterie von Lotto gefördert würden.

Der Großteil der „Restsumme“ der gesamten Dach-Investition soll durch Mittel vom Bund, Land, Kirche und DSD finanziert werden. Auch das Kirchspiel Werben, in dessen Zuständigkeit das bedeutsame Gotteshaus fällt, will einen Eigenanteil beisteuern. Für den nun begonnenen ersten Bauabschnitt rechnen die Verantwortlichen mit Kosten von 650 000 Euro.

Seit 1997 hat die DSD in den Erhalt des für Werbener Verhältnisse reichlich überdimensioniert wirkenden Bauwerks schon jede Menge Geld gesteckt. Obwohl der Ortskurator die genaue Höhe nicht beziffern könne, stehe aber fest, dass Dach- und Mauerwerksreparaturen sowie Trockenlegungsarbeiten vollzogen worden seien. „Die Alers-Stiftung ermöglichte auch die grundlegende Instandsetzung der beiden von Nagekäfern („Holzwurm“) stark befallenen Chorgestühle. Die Arbeiten im Inneren waren notwendig, um die feuchtigkeitsgeschädigte Ausstattung zu retten“, erklärt Dr. Ursula Schirmer von der Pressestelle der DSD in Bonn.

Die Existenz der übergroßen Kirche auf Werbener Boden geht auf das Konto des Markgrafen Albrecht der Bär. Er schenkte im 12. Jahrhundert die Festung Werben nach einer Pilgerfahrt ins Heilige Land dem in Jerusalem ansässigen Johanniter-Orden. So entstand die erste Johanniter-Komturei nördlich der Alpen. Werben erhielt um 1225 Stadtrecht und wurde Mitte des 13. Jahrhunderts Reichsstadt, die ab 1358 zur Hanse gehörte. Der Johanniter-Orden wurde 1810 aufgelöst – und der derzeit 900 Einwohner zählende Ort erlebte seinen Niedergang, fasst die Pressesprecherin Werbens eng mit der Johanniskirche verzahnte Historie zusammen.

Von Antje Mahrhold

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