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„Situation ist eine Katastrophe“

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Von: Thomas Westermann

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Gemeinschaftsschule Seehausen
An der Seehäuser Gemeinschaftsschule fehlen Lehrerinnen und Lehrer. Eltern und Kommunalpolitiker machen sich Sorgen um die Zukunft des Lernortes. © Westermann

Seehausen. „Die Situation ist eine Katastrophe, eine einzige Katastrophe“, schimpft Kurt Wohlfahrt, seines Zeichens Vorsitzender des Elternrates der Seehäuser Gemeinschaftsschule „Johann Joachim Winckelmann“. Er meint damit den Lehrermangel an dem Lernort.

Der Unternehmer ist Vater eines Jungen, der die achte Klasse dort besucht. Die oberen Klassen haben viele Ausfälle in den Fächern Biologie und Chemie. Zudem stünden die Prüfungen vor der Tür. „Schaffen unsere Kinder das?“, fragen sich viele Eltern und auch Fleischer Wohlfahrt. An den Lehrerinnen und Lehrern liege es nicht, die seien engagiert, aber sie können nicht dagegen angehen. „Vor zehn Jahren gab es noch 27 Pädagogen, mittlerweile sind es nur noch 16 oder 17 bei der gleichen Schülerzahl wie vor einem Jahrzehnt“, weiß Wohlfahrt. „Zudem gehen zum Ende des Schuljahres drei Lehrer in den Ruhestand, einschließlich des Schulleiters. Da sind wir froh, dass es noch die Vize-Direktorin Ute Voigt gibt“, meint der Seehäuser. Das Problem liege beim Land, das zwar immer wieder Stellen ausschreibe, aber nicht genügend Interessenten findet. „Wir wohnen im Grenzgebiet zum Bundesland Brandenburg, da werden Lehrer mit einigen Hundert Euro besser bezahlt, als hier in Sachsen-Anhalt.“ Um irgendwie aus der Misere zu kommen, haben die Eltern SPD-Landtagsabgeordnete Juliane Kleemann um Unterstützung gebeten. Und: „Wir werden weitere Aktionen starten“, kündigt Wohlfahrt an.

Eine Aktion, um aus der „Katastrophe“ herauszukommen, hat der Sozialausschuss der Verbandsgemeinde Seehausen unternommen. Vorsitzende Claudia Brünicke und Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth haben im Namen des Gremiums ein Schreiben als Hilferuf an Landesbildungsministerin Eva Feußner (CDU) verfasst. Darin heißt es unter anderem: „Die Verbandsgemeinde Seehausen zählt mit 437 Quadratkilometern zu den flächengrößten Gemeinden in Sachsen-Anhalt. Deshalb schmerzte damals die Schließung unseres Gymnasiums sehr. Mit der Einrichtung der Gemeinschaftsschule bekamen wir im Jahr 2013 eine Chance und Alternative, wenngleich diese Schulform keinen echten Ersatz für das Gymnasium darstellt. Unsere Region kann damit aber gut leben und die Schülerzahl ist stabil.“ Doch jetzt sei die Schule erneut in Gefahr, diesmal liege es am Lehrermangel. Unterrichtsstunden, auch in wichtigen Fächern wie Mathematik, fallen in Größenordnungen aus. Es sei nur eine Frage der Zeit, wie lange das die Eltern noch hinnehmen. In der Region stehe damit nicht nur die Unterrichtsversorgung, sondern der Fortbestand der ganzen Schule auf dem Spiel. Die Kommunalpolitiker bitten darum, alles Erdenkliche in die Wege zu leiten, um gegenzusteuern. „Bitte lassen Sie den Norden von Sachsen-Anhalt nicht im Stich.“

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