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Mit dem Leben bezahlt

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Auf Initiative von Dr. Walter Fiedler, Ewald Duffe und Volker Eilrich wird die Grabstätte von Dr. Albert Steinert auf dem Seehäuser Friedhof wieder hergerichtet. Stadtarbeiter Ralf Näbsch war gestern unter anderem mit dem Abkärchern des Steins beschäftigt.
Auf Initiative von Dr. Walter Fiedler, Ewald Duffe und Volker Eilrich wird die Grabstätte von Dr. Albert Steinert auf dem Seehäuser Friedhof wieder hergerichtet. Stadtarbeiter Ralf Näbsch war gestern unter anderem mit dem Abkärchern des Steins beschäftigt.

Seehausen. Der Name Dr. Albert Steinert ist eng mit dem Seehäuser Krankenhaus verbunden, das übrigens in diesem Jahr auf sein 120-jähriges Bestehen verweisen kann. Eine Festveranstaltung gibt es diesbezüglich am kommenden Freitag. Dr.

Steinert, der auch in der medizinischen Einrichtung als Arzt tätig war, verlor in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges sein Leben.

Zum Hintergrund: Der Zweite Weltkrieg endete für Seehausen im April 1945 durch amerikanische Truppen. Das Arbeitsdienstlazarett wurde aufgelöst und wieder in ein städtisches Krankenhaus umgewandelt. Dr. Steinert sollte die Leitung wieder übernehmen. Auf die Bitte des amerikanischen Stadtkommandanten hin sollte er nach Wittenberge fahren, um den geplanten Beschuss des Verkehrsknotenpunktes Seehausen durch die deutsche Artillerie zu verhindern. Seehausen war zu dieser Zeit mit Flüchtlingen überfüllt.

Dr. Steinert, der sich der bestehenden Gefahr bewusst war, hinterließ vor der Abfahrt sein Testament und bestieg mit seiner schwangeren Frau und einem amerikanischen Offizier einen Pkw. Vor der Panzersperre in Wahrenberg stieg der Wahrenberger Bürgermeister Fredrich zu ihnen, um seinen Bruder, den Fährpächter, zur Überfahrt über die Elbe zu bewegen. Am Ortseingang Wahrenberg wurden sie von einer SS-Streife festgenommen und nach Wittenberge gebracht. Die schwangere Frau Steinert blieb unbehelligt.

Am 13. April 1945 wurden Dr. Steinert und Bürgermeister Fredrich durch ein Standgericht zum Tod durch Erschießen verurteilt. Im Morgengrauen des 14. April 1945 wurde das Urteil vollstreckt. Seehausen jedoch wurde nicht beschossen.

Für Dr. Steinerts mutige Tat wurde ihm später die Ehrenbürgerschaft der Wischestadt zuteil. Zudem trug das Seehäuser Krankenhaus seinen Namen bis das Agaplesion-Unternehmen dies nicht mehr zuließ. Die Empörung seitens der Bevölkerung war angesichts dieser Tatsache riesig, man suchte nach Alternativen, um den Arzt weiter zu würdigen und seiner Leistungen zu gedenken. So wurden in der der vergangenen Woche zwei Gedenktafeln am und im Krankenhaus feierlich eingeweiht. Bereits ein Jahr zuvor ist das Areal vor der medizinischen Einrichtung in Dr.-Albert-Steinert-Platz 1-3 benannt worden.

Engagierte Seehäuser würdigen die Leistungen und Verdienste des Mediziners weiter. Auf Initiative von Dr. Walter Fiedler und Seehausens Bürgermeister Ewald Duffe wird die Grabstätte Dr. Steinerts auf dem Seehäuser Friedhof derzeit auf Vordermann gebracht. Der Anstoß dafür kam übrigens von Friedhofsverwalter Volker Eilrich, der die Auffassung vertrat, dass etwas getan werden müsse. Und so machten sich gestern die Stadtarbeiter Ralf Näbsch und Frank Jakubke mit Unterstützung von Ewald Duffe ans Werk, um die Grabstätte zu pflegen. Es wurden unter anderem der Stein abgekärchert und Wildholz beseitigt. Es folgen die Fundamente für die Einfassung. Bis zur Festveranstaltung am bereits erwähnten Freitag sollen die Arbeiten dann abgeschlossen sein. Die Grabpflege übernimmt ein Seehäuser Gartenbaubetrieb.

Von Thomas Westermann

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