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Landwirte wollen zweites Standbein

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Von: Thomas Westermann

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Windräder bei Bretsch
Umweltfreundliche Energie wird in der Gemeinde Altmärkische Höhe schon mit Windkraft produziert. Nun möchten Bauern von der Solarenergie profitieren. © Thomas Westermann

Heiligenfelde. Landwirte in der Gemeinde Altmärkische Höhe wollen sich mit Solarenergie ein zweites Standbein schaffen. Einer davon ist der Kossebauer Fritz Siedentopf. Er und weitere Bauern haben auch schon einen Investor gefunden. Der Gemeinderat hat zu der Thematik jedoch noch Informationsbedarf.

Auf der jüngsten Gemeinderatssitzung in Heiligenfelde waren Siedentopf und weitere Landwirte sowie Projektleiter Kai Rabe von einem Unternehmen im niedersächsischen Meppen zwecks Solaranlagen vor Ort. Welche Flächen kommen für diese Anlagen in Frage? Der Landkreis Stendal hat im Herbst des vergangenen Jahres einen Leitfaden herausgebracht. Nicht ohne Grund: In den vergangenen Monaten habe sich die Anzahl der Nachfragen nach geeigneten Standorten zur Errichtung von Freiflächensolaranlagen deutlich verstärkt und inzwischen in einigen Gemeinden sogar ein erhebliches Ausmaß angenommen. Teilweise beziehen sich die Projektvorschläge bereits auch auf konkrete Flächen, wobei hier zunehmend festzustellen sei, dass diese auf landwirtschaftlichen Nutzflächen errichtet werden sollen, heißt es in dem Papier. Die Gemeinden stünden immer wieder im Spannungsfeld widersprüchlicher Interessen von Eigentümern, Investoren, Befürwortern und Gegnern und sollten sich daher in einer gesamträumlichen Untersuchung davon unbeeinflusst mit ihren eigenen Entwicklungsvorstellungen auseinandersetzen, so der Landkreis. Zudem erfordere die Errichtung von Freiflächensolaranlagen zwingend einen Bebauungsplan, weiß Lisa Weigelt, Wirtschaftsförderin der Verbandsgemeinde Seehausen, die an dem Abend den Abgeordneten um Bürgermeister Bernd Prange Rede und Antwort stand.

Dabei hören sich die Planungen des potenziellen Investors gut an. So erzielen Landwirte in wirtschaftlich schwierigen Zeiten langfristig gesicherte Einnahmen, sagte Projektleiter Rabe. Hinzu komme die nachhaltige Stromproduktion mit deutlicher Einsparung von CO2. Zudem werde ein Sichtschutz durch beispielsweise lebende Einfriedung geschaffen, wobei heimische Gehölze zur Gestaltung oder Verbesserung von Habitaten geschützter Tierarten genutzt werden. In der Gemarkung Kossebau handele es sich übrigens um eine Fläche von 20 Hektar, im Bereich Gagel um 50 Hektar. Rabe versuchte, das Projekt der Höhe-Kommune mit Geld schmackhaft zu machen. Immerhin könnte die Gemeinde von 2500 Euro je Hektar im Jahr profitieren. Bürgermeister Prange hat den Windpark Gagel vor Augen, der der Gemeinde zwar auch Geld beschert, aber nicht von allen Einwohnern geliebt wird. „Wir müssen erst mal festlegen, was wir für die Region wollen. Der Boden ist nur einmal da, der kann nicht vermehrt werden“, blickt der Kommunalpolitiker auf die mit Solarplatten bedeckten Flächen, die allerdings nach Aussagen Rabes durchaus eine Bewirtschaftung zulassen. Der Bürgermeister und die Wirtschaftsförderin wollen keine Schnellschüsse. Letztere empfiehlt die Gründung einer Arbeitsgruppe, die aus Gemeinderatsmitgliedern bestehe und nichtöffentlich tagen sollte, um einen Leitfaden speziell für die Kommune zu erarbeiten. Dabei soll es unter anderem um Fragen gehen, die die Abstände zur Wohnbebauung und die Anzahl der Anlagen betreffen.

„Aber warum hinter verschlossenen Türen tagen? Ich hätte es besser gefunden, wenn sich Kommunalpolitiker, Landwirte und Investor gemeinsam an einen Tisch gesetzt hätten“, so Siedentopf gegenüber der AZ.

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