Geradewegs in das Verkehrschaos

Land ganz optimistisch: Autobahn-Brücke bei Seehausen hilft maroder Elbe-Schwester

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Die Brücke führt nahe Geestgottberg über die Elbe nach Wittenberge. Täglich rollen Tausende Pkw und Lkw über die Konstruktion aus Stahl und Beton. Sie ist in die Jahre gekommen und muss bald saniert werden.

Seehausen – „Die Arbeiten können noch so lange aufgeschoben werden, wie die engmaschigen Sonderprüfungen am Bauwerk dies zulassen“, macht Peter Mennicke deutlich.

Die Nachricht aus Magdeburg dürfte die Befürchtungen der Altmärker vor einem Chaos nicht weniger werden lassen. Die Elbebrücke der B 189 bei Seehausen muss saniert werden.

Und zwar möglichst dann, wenn der Verkehr über die Autobahnbrücke gleich daneben geführt werden kann. Ein baldiger Planfeststellungsbeschluss und grünes Licht für den nördlichen Bauabschnitt der A 14 wäre unbedingt wünschenswert, betont der Sprecher des Verkehrsministeriums gegenüber der AZ. Denn: Macht die eine Brücke über den Fluss endgültig schlapp und muss für eine Instandsetzung komplett gesperrt werden und ist die andere noch nicht errichtet, geht in diesem Bereich Sachsen-Anhalts erst einmal nichts mehr.

In der Verbandsgemeinde und im Seehäuser Rathaus haben die Alarmglocken bereits geläutet. Es bleibt die Angst vor einem Verkehrschaos. Einen genauen Zeitplan will und kann Ministeriumssprecher Mennicke auch auf Nachfrage nicht schreiben. „Unser Ziel ist es nach wie vor, dass der Verkehr Anfang der 2020er-Jahre auf der A 14 rollt.“

Die Elbequerung der Autobahn verläuft parallel zur vorhandenen Brücke, gerade einmal sechs Meter liegen zwischen beiden. Das Bauwerk aus DDR-Zeiten ist für Pkw und Lkw enorm wichtig, die nächsten Brücken westlich wie östlich sind viele Kilometer weit entfernt und die Fähren dazwischen nur eine schwache Alternative (die AZ berichtete). Noch einmal: „Aus diesem Grund wird versucht, es bis zur Fertigstellung der A-14-Brücke befahrbar zu halten.“ Die Sanierung soll 22 Millionen Euro kosten. Auf diese Summe werden die Ausgaben jedenfalls momentan geschätzt. Die Planungen laufen auf Hochtouren.

Die 1978 eingeweihte Überführung misst mehr als 1100 Meter, verbindet die Altmark mit der Prignitz im Land Brandenburg und besteht aus Flutbrücke und Strombrücke. Das Bauwerk könne „mit vertretbarem Aufwand“ saniert werden. Danach dürfte es weitere 60 Jahre nutzbar sein, heißt es aus Magdeburg weiter. Von einem Austausch ganzer Pfeiler scheint derzeit nicht die Rede. Risse sollen geschlossen, durch Tausalze geschädigte Pfeilerköpfe erneuert werden.

Besonderes Augenmerk liegt auch auf von Betonkrebs zerfressene Bereiche. Damit die Strombrücke tragfähiger wird, sollen über den Pfeilern innerhalb des Stahlhohlkastens Verstärkungen eingezogen werden. Arbeiter erneuern den Fahrbahnbelag sowie die Schutz- und Leitplanken. Und: Die arg strapazierten Betonplatten, mit Spannstahl verbaut, der Vorlandbrücke werden ausgetauscht.

Turnusgemäß sollen Verschleißteile wie Fahrbahnübergänge, Lager und Entwässerungseinrichtungen gleich mit erneuert werden. Dazu kommt: „Um die Strompfeiler vor Schiffsanprall zu schützen, werden diese entweder verstärkt oder in der Elbe entsprechende Leitwerke nachgerüstet.“ Die Liste ist beachtlich.

Wie lange alles dauern wird, auch dazu kann Mennicke noch keine genauen Angaben machen. Ein Teil der Arbeiten am Unterbau könne womöglich schon im Vorfeld und bei fließendem Verkehr erledigt werden, sicher sei das aber auch noch nicht. Und noch zum besseren Verständnis: Die B 189 wird nach der Freigabe der A 14 zur Landesstraße abgestuft, behält jedoch ihre Bedeutung als Verbindungsstraße im Landesnetz und dient insbesondere dem langsam fahrenden Verkehr.

VON MARCO HERTZFELD 

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