Diskussionsrunde in der Wischestadt: Vereinigung fordert Richtlinien zur Unfallprophylaxe

Kutscher nur mit Schein am Zügel

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Zum Thema „Kutschenführerschein“ tauschten sich in Seehausen Experten und Pferdeliebhaber jüngst aus. Neue, geplante Richtlinien standen zur Diskussion. 

Seehausen. Schon im letzten Jahr wurde über die Einführung eines Kutschenführerscheins durch den Bundesverband für Pferdesport und Pferdezucht, bekannt als Deutsche Reiterliche Vereinigung FN, diskutiert.

In der FN (Fèdèration Èquestre Nationale) sind fast 700.000 Mitglieder, vorwiegend Züchter, Reiter, Fahrer und Voltigierer organisiert. Dieser Dachverband hat beschlossen, ab dem 1. Juni den Basispass Pferdekunde und Kutschenführerschein A für Privatpersonen und B für gewerbliche Fahrer einzuführen. Eine gesetzliche Grundlage besteht aber noch nicht! Da es zu dieser Thematik zurzeit noch viele Fragen beziehungsweise Halbwahrheiten gebe, entschloss sich der Reiterhof Losse, eine Informationsveranstaltung zu dieser Thematik zu veranstalten. Diese fand in der Gaststätte Henkel in Seehausen statt.

Das Interesse an dieser Veranstaltung war sehr groß, denn unter den fast 30 Anwesenden waren auch Pferdefreunde aus dem Nachbarkreis Salzwedel und aus Niedersachsen. Die Veranstaltung leitete Heinrich Rathsmann, Fahrlehrer FN und Trainer A Fahren. Zur Begründung der Einführung eines Kutschenführerscheines ging er von folgenden Gedanken aus. Immer häufiger trifft man auf unseren belebten Straßen Kutschfahrer, die mit ihren Gespannen unterwegs sind. Mit Hinblick auf ihre Sicherheit und zur Unfallprophylaxe fordert nun die FN einen bundesweit einheitlichen Kutschenführerschein. Dieser soll die verantwortlichen Personen auf dem Kutschbock dazu befähigen, Pferdegespanne auf öffentlichen Wegen und Straßen zu führen. Hierzu wird das entsprechende Wissen rund um das sichere Fahren im Straßenverkehr und Gelände sowie um den pferdegerechten Umgang vermittelt. Der Pferdeführerschein richtet sich an Jeden, der sich, wenn auch nur gelegentlich, mit seinem Gespann im öffentlichen Raum bewegt. Zur Erlangung dieses Papiers ist die Teilnahme an einem Lehrgang nötig. Dieser umfasst 45 Lerneinheiten zu je einer Stunde, wobei acht davon dem Straßenverkehr gewidmet sind. Dies ist besonders bemerkenswert, denn bei den 900 gemeldeten Unfällen in den letzten sechs Jahren entfielen viele auf Unfälle im Straßenverkehr und durchgehende Pferde.

Auch Alkohol am Kutschbock war eine wesentliche Ursache für die gemeldeten Fälle. Die Frage nach den Kosten eines solchen Lehrganges mit anschließender Prüfung interessierten natürlich besonders die Personen, die schon ihr fast ganzes Leben lang mit Kutschen unterwegs sind, dabei keine selbst verschuldeten Unfälle hatten und deshalb die Notwendigkeit eines solchen Papieres mit seinen finanziellen Kosten nicht unbedingt einsehen. Im hohen dreistelligen Bereich werden die Kosten liegen, so der Leiter der Veranstaltung. Für Inhaber des Fahrabzeichens V oder gleichwertiger Dokumente besteht die Möglichkeit, auf Antrag diese umschreiben zu lassen.

In der Diskussion, die zeitlich nicht vom Vortrag getrennt war, berichteten Fahrer über ihre Erfahrungen beim Umgang mit ihren Gespannen im öffentlichen Straßenverkehr und im Gelände. Abschließend betonte der Fahrlehrer, dass es vorwiegend um die Sensibilisierung der Fahrer geht, sich mit der Frage zu beschäftigen, wie gut ihre Pferde ausgebildet sind, wie der eigene Wissensstand ist und ob man sich bewusst ist, welch große Verantwortung für sich und andere Personen der Fahrzeuglenker besitzt.

Von Walter Schaffer

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