Kunst aus der Natur im Schillerhain / Park ist Eldorado für seltene Käferarten

„Unordnung kann auch schön sein“

Drei Männer räumen Seehäuser Schillerhain auf.
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Eduardo Figueiredo (v.l.), Bernd Kloss und David Nahrstedt packten beim Arbeitseinsatz kräftig mit an.
  • Thomas Westermann
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Seehausen. Der Seehäuser Schillerhain hat sich nach dem Holzeinschlag enorm verändert. Derzeit liegt noch jede Menge Totholz herum und auch Baumstümpfe sind vorhanden. Nicht gerade wenige Seehäuser rümpfen ob der Unordnung die Nase, doch diese soll gewollt sein.

„Unordnung kann auch schön sein“, meint Susanne Figueiredo, die zu einer Initiativgruppe um den Biologen Martin Jahnke gehört, die sich zum mittlerweile zweiten Arbeitseinsatz in dem über 150 Jahre alten Park eingefunden hatte. Aufräumen war angesagt. „Totholz soll dabei in schönen Formen gestaltet werden“, fügt die Vielbaumerin im AZ-Gespräch hinzu. Und: „Es soll so etwas wie Landart werden, eben Kunst aus der Natur.“ Die Wahl-Altmärkerin sieht in dem toten Holz zudem Unterschlupfmöglichkeiten für Insekten, Igel und viele andere Lebewesen.

Apropos Insekten: Da ist Biologe Jahnke Experte. Er kartiert seit mehreren Jahren die Käferfauna im Schillerhain. Dabei hat der Wissenschaftler an alten und abgestorbenen Bäumen insgesamt zehn Käferarten gefunden, die auf den Roten Listen Sachsen-Anhalts oder Deutschlands verzeichnet sind. Ein besonderes Highlight der Käferfauna des Schillerhains sind zwei „vom Aussterben bedrohte“ Arten, der Goldschuppige Schnellkäfer (Lacon querceus) und der Fadenkäfer (Colydium filiforme). Beide Käfer werden als „Urwaldreliktarten“ betrachtet, die nur noch sehr selten vorkommen und in naturnahen Wäldern und alten Baumbeständen wie Parkanlagen zu finden sind. Der Goldschuppige Schnellkäfer lebt in von Pilzen besiedelten, dicken Eichenstämmen. Sein Vorkommen im Schillerhain sei das einzige in Sachsen-Anhalt bekannte, außerhalb der Elbauen bei Dessau, weiß der Seehäuser Biologe Jahnke. Um die seltenen Käfer im wischestädtischen Schillerhain zu erhalten, wurden Stämme und Baum-stümpfe im Park belassen. Sie sollen in den kommenden Jahren und Jahrzehnten als Lebensräume für diese Insekten zur Verfügung stehen. Auch abgestorbene Bäume seien ein hervorragender CO2-Speicher und damit wichtig für das Klima. „Bis zur gänzlichen Zersetzung vergehen 50 bis 80 Jahre.“

Dass die Aufräumarbeiten dazu dienen sollen, den Schillerhain zu einem Landart-Park werden zu lassen, ist Bürgermeister Detlef Neumann nicht bekannt, wie er auf AZ-Nachfrage sagte. Wie er weiter ausführte, soll es am kommenden Sonntag eine Begehung des Schillerhains geben. Dann wollen Seehausens Revierförster Stefan Kaiser, Gerd Flechner vom Umweltamt des Landkreises Stendal und Martin Jahnke Interessenten erklären, warum der Park jetzt so aussieht.

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