Bömenziener Biologe Armin Püttger-Conradt auf Forschungsreise durch Südostasien unterwegs

Bei den Kopfjägern von Borneo

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Die Punans sind ein Nomadenvolk und ihre Lebensgrundlage ist in großer Gefahr. Durch das Abholzen von Waldgebieten in Größenordnungen für die Errichtung von riesigen Ölpalmplantagen kommen die Menschen in Bedrängnis.

Bömenzien. Diplom-Biologe Armin Püttger-Conradt liebt die Natur. Das gab den Ausschlag, dass er seinen Hauptwohnsitz aus dem norddeutschen Elmshorm im Jahr 2012 in das altmärkische Bömenzien verlegte (die AZ berichtete).

Flora und Fauna im nördlichen Sachsen-Anhalt faszinieren dem mittlerweile 59-Jährigen.

Diplom-Biologe Armin Püttger-Conradt aus Bömenzien war fünf Monate auf Forschungsreise durch Südostasien unterwegs.

Doch Püttger-Conradt ist ein unruhiger Geist und bricht immer wieder nach anderen Kontinenten auf. Seine zweite Forschungsreise nach Südostasien trat er Ende des vergangenen Jahres an. Unterstützung bei der Expedition kam dabei vom Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn. Auf Java begab er sich auf die Spuren des Dithmarscher Naturforschers Heinrich Boie, Jahrgang 1794, der viele Monate dort verbrachte. Boie entdeckte neue Arten, beschrieb Landschaft und Tiere, die Püttger-Conradt mit der heutigen Zeit verglich. Was ist geblieben, was hat sich in hunderten von Jahren verändert – das will der Wahl-Altmärker beispielsweise nach seiner Tour wissenschaftlich aufarbeiten. Den Schwerpunkt setzt der Wahl-Altmärker auf Amphibien und Reptilien. Der Biologe entdeckte bei seiner ersten Tour 2011 das Grab des jung verstorbenen Boie und holte sich von den Behörden die Genehmigung, die Ruhestätte bei seiner nächsten Expedition im kommenden Winter mit einer neuen Marmorschriftenplatte zu versehen. Püttger-Conradt hofft, dass eine Brauerei, die die jetzt im Dithmarschen ansässig ist wie damals Boie, die Platte sponsert. Zudem wandelte der Bömenziener auf den Pfaden von Wilhelm Junghuhn, Jahrgang 1809, der intensiv die Vulkane der Insel untersuchte und im sachsen-anhaltinischen Mansfeld geboren wurde. Im Blick hatte Püttger-Conradt auch das Schaffen von Victor von Plessen, ein Holsteiner Dokumentarfilmer, Künstler und Forscher, der in den 1930er Jahren auf Bali einen Kinofilm über die Kultur der Balinesen drehte.

Der Bömenziener beschäftigte sich während der Exkursion nicht nur mit der Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch mit Völkerkunde. So hat er in den Dörfern der Dayak, den Kopfgeldjägern von Borneo, gewohnt. Bei seinen Touren durch den Dschungel beobachtete er riesige Schwärme von Flughunden, die mit einer Flügelspannweite von etwa einem Meter, die größten Fledermäuse der Welt sind. Durch die dichte Vegetation zog der Biologe auch mit den Punan, ein Waldnomadenvolk, das durch Abholzungen in Größenordnungen seine Lebensgrundlage verliert. „Die Wälder werden für das Anlegen von riesigen Ölpalmplantagen vernichtet“, ist Püttger-Conradt bestürzt. Bei seiner Reise von Malaysia über Borneo nach Java, Bali, Lombok, Sulawesi und den Molukken hat der Bömenziener auch mit großer Betroffenheit vom Tod des letzten Nördlichen Breitmaulnashornbullens mit Namen Sudan erfahren. Jahrzehntelang hat sich der Wissenschaftler für den Erhalt dieser Art eingesetzt.

Neben der Aufarbeitung seiner Ergebnisse und Impressionen, was gegenwärtig in Bömenzien geschieht, will Püttger-Conradt drei Bücher schreiben – und zwar von seiner Inseldurchquerung auf Borneo, einen naturhistorischen Roman über Heinrich Boie und ein Kinderbuch über Borneo mit dem Titel „Meiti und die Koboldmakis“.

Von Thomas Westermann

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