Kritik an der zentralen Entsorgung / Investition startet dennoch im Oktober

Pro und kontra beim Abwasser

Der Seehäuser Ortsteil Losenrade wird ab Oktober abwassertechnisch erschlossen. Fotos: Westermann
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Der Seehäuser Ortsteil Losenrade wird ab Oktober abwassertechnisch erschlossen.

Seehausen – Die Seehäuser Ortsteile Losenrade und Steinfelde werden ab nächsten Monat abwassertechnisch erschlossen. Hinsichtlich der Maßnahme ist die Meinung der Einwohner geteilt.

Während einige die Initiative des Wasserverbandes Stendal-Osterburg (WVSO) begrüßen, sprechen sich andere für eigene Kleinkläranlagen aus.

Auch die Grundstücke in Steinfelde werden an die zentrale Abwasserentsorgung angeschlossen.

Zu Letzteren gehört Steinfelderin Susanne Bohlander. Das Vorhaben des Wasserverbands sei unwirtschaftlich und belaste die Mitgliedsgemeinden im Wasserverband finanziell mit mindestens 700 000 Euro, sagte sie nach einer Einwohnerversammlung am Mittwoch im Foyer der Wischelandhalle, wo WVSO-Investbauleiter Olaf Schmidt das Vorhaben vorstellte. Hinzu kommen 70 000 Euro für die Reparatur der Rohre im Jahr 2018, die 25 Jahre lang ungenutzt im Boden lagen. Außerdem sollen noch zwei Grundstücke in Losenrade erschlossen werden. Also weitere Kosten. Von 1992 bis 1994 kostete die Verlegung der Rohre bereits 1,2 Millionen DM. „Dass das unwirtschaftlich ist, gibt auch ganz offen der Wasserverband zu. Er begründet dieses unwirtschaftliche Vorhaben mit dem ‘Solidarprinzip’. Aber viele Einwohner – und ich bleibe bei der Formulierung ‘viele’ – wollen diesen zentralen Anschluss nicht. Weil er teuer ist und Abwasser billiger entsorgt werden kann – und zwar mit einer grundstückseigenen Kleinkläranlage oder mit einer herkömmlicher Sammelgrube, die abgepumpt wird“, meint Bohlander. Sie ist sich sicher, dass die Kosten bei einer grundstückseigenen Kleinkläranlage erheblich günstiger seien, als bei der zentralen Abwasserentsorgung.

Dennoch: Die Investition des WVSO wird nicht mehr aufzuhalten sein. Nicht zuletzt deshalb, weil das Land Sachsen-Anhalt 65 Prozent Förderung bereitstellt, wie Schmidt am Mittwochabend sagte. Die Auftragsvergabe erfolge in diesem Monat. Zum Jahresende seien die Anlagen betriebsfähig. Ab Anfang 2021 müssen sich die Grundstückseigentümer an die zentrale Abwasserentsorgung anschließen. Dafür bleiben etwa drei Monate Zeit. Danach müssen die alten Kläranlagen außer Betrieb genommen werden, machte Schmidt deutlich. Und: Es müsse der Nachweis zur Entsorgung der Fäkalien durch eine Stendaler Fachfirma erbracht werden.

Olaf Schmidt (l.) erläuterte während einer Einwohnerversammlung den Ablauf der Investition.

Die Fraktion Grüne/Linke des Seehäuser Stadtrats, bestehend aus Susanne Bohlander und Kathrin Baier, wollen einen Antrag zur Thematik einbringen. Darin heißt es unter anderem: „Die Hansestadt Seehausen spricht sich in einem Schreiben an den Wasserverband Stendal-Osterburg dafür aus, dass der Wasserverband den geplanten Bau der drei Kläranlagen für Losenrade und Steinfelde auf seine Sinnhaftigkeit überprüft, im Interesse der Einwohner und im Interesse eines sinnvollen und sparsamen Umgangs des Verbands mit den Finanzmitteln seiner Mitgliedsgemeinden. Insbesondere sollte überprüft werden, ob die gegebenen örtlichen Bedingungen in den beiden Ortsteilen den Betrieb grundstückseigener Kleinkläranlagen verhindern.“ Der Wirtschaftsauschuss setzte den Antrag auf seiner Sitzung am Montag von der Tagesordnung ab, ebenso der Bauausschuss am Mittwochabend. Der Vorsitzende des letztgenannten Gremiums, Willi Hamann, begründete das so: „Wenn keiner von der Fraktion Grüne/Linke vor Ort ist, um das Papier zu erläutern, dann können wir darüber auch nicht befinden.“ VON THOMAS WESTERMANN

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