Kommunalpolitiker äußern ihre Meinung zur Waldbesetzung bei Seehausen

„Die sollen schnell verschwinden“

Waldbesetzung in der Verbandsgemeinde Seehausen
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Umweltaktivisten haben Teile des Waldes in der Verbandsgemeinde Seehausen besetzt. Einige Kommunalpolitiker begrüßen das, andere lehnen das entschieden ab.
  • Thomas Westermann
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Seehausen. Umweltaktivisten haben seit dem Wochenende Teile des Waldes in der Verbandsgemeinde Seehausen besetzt und wollen damit unter anderem gegen den Weiterbau der Autobahn 14 demonstrieren. AZ hat bei einigen Kommunalpolitikern nachgefragt, wie sie über diese Waldbesetzung denken.

Bernd Prange (CDU), Bürgermeister der Gemeinde Altmärkische Höhe, spricht von Mehrheitsentscheidungen zugunsten der Autobahnbefürworter. Zudem seien es keine Einheimischen. Eher verstehen könnte er es, wenn die Seehäuser, Losser oder Drüsedauer den Wald besetzen würden. Zudem werde fremdes Eigentum in Beschlag genommen. „Das ist ungefähr so, als wenn man in Nachbars Garten Äpfel pflückt, weil die besser schmecken als die eigenen.“ Prange kann jedoch auch verstehen, dass die Menschen angesichts des Autobahnbaues frustriert sind, aber eine Waldbesetzung sei der falsche Weg.

„Ich habe volles Verständnis für die Aktion und habe den Eindruck, dass die Baumbesetzer umsichtig im Wald sind und von ihnen keine Gefahr ausgeht, auch in Bezug auf Waldbrand. Die jungen Menschen wollen neue Wege gehen. Die Politik will hingegen Projekte wie den A-14-Bau auf Biegen und Brechen umsetzen“, äußert die Seehäuser Stadträtin Susanne Bohlander (Bündnis 90/Die Grünen). Und: „Was Mitte der 1990er-Jahre beschlossen wurde, muss neu überdacht werden, weil es nicht mehr in die Zeit passt. Die Verkehrsprognosen haben sich mittlerweile nahezu halbiert. Man muss über neue Wege nachdenken.“

Hans Hildebrandt (parteilos), Bürgermeister der Gemeinde Aland, hat zu den Waldbesetzern folgenden Standpunkt: „Diese Leute stammen nicht aus der Region. Sie sollen wieder dorthin, wo sie zu Hause sind und haben keine Ahnung, dass die Menschen in der hiesigen Region die A 14 wollen. Die Autobahn steht kurz vor der Fertigstellung. Was die bei uns machen, ist ganz großer Blödsinn, die Waldbesetzer sollen schnell verschwinden.“

Michael Seide, seit Anfang dieses Monats Bürgermeister der Gemeinde Zehrental, hat seine Meinungsbildung zu der Thematik noch nicht abgeschlossen. Die Motivation der jungen Menschen jedoch sei gerechtfertigt, findet der Jurist. Seide „bewundert die jungen Leute“. Ziviler Ungehorsam habe in der Vergangenheit auch Erfolge gebracht. Als Beispiel nennt er die Sitzblockaden vor dem Zwischenlager in Gorleben. „Wenn die nicht gewesen wären, hätten wir jetzt dort ein Atommüllendlager.“

Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth (FW) ist hingegen alles andere als begeistert von der Aktion. „Die Sache ist gefährlich. Es ist ein riesiges Waldgebiet, das bei der gegenwärtigen Waldbrandwarnstufe III und morgen wahrscheinlich schon IV sich schnell entzünden kann.“ Kloth war am Montag vor Ort und hat mit den Besetzern gesprochen. Keinesfalls sollten offene Feuer gemacht und geraucht werden, forderte der Verwaltungschef, da Gefahr in Verzug sei. Die Umweltaktivisten sicherten dies zu. Der Bürgermeister glaubt nicht so recht daran, weil die Klientel wechselt und immer wieder andere Besetzer kommen. Kloth weiter: „Ich habe bei der Aktion echt Bauchschmerzen. Es kann nicht sein das Gesetze ignoriert werden. Es handelt sich um ein privates Grundstück, das besetzt ist.“ Und: „Die Aktivisten verstoßen gleich gegen mehrere Gesetze.“

„Ich halte überhaupt nichts von der Aktion“, antwortet Peter Brandt (parteilos), Mitglied im Seehäuser Stadtrat, auf AZ-Anfrage. „Wir haben erhöhte Waldbrandgefahr. Die Aktion geht an uns nicht spurlos vorüber“, vermutet der erfahrene Brandbekämpfer, der zur Führungsriege der Freiwilligen Feuerwehr Seehausen gehört. Außerdem hat er Bedenken aufgrund der Corona-Pandemie. „Die hocken im Wald eng zusammen.“ Der Wischestädter weiter: „Den Autobahn-14-Bau können sie nicht verhindern. Es wurde dafür bereits viel zu viel investiert.“

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