Mysteriöse Siedler in der Wische bringen linke Bündnisse auf den Plan

„Komisch und anders“

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Die Siedler wollen keinen Besuch, wie solche Schilder deutlich machen. Auch in der altmärkischen Wische leben sie zurückgezogen und unter sich.

Altmärkische Wische / Seehausen. So genannte „völkische Rechte“ siedeln sich im ländlichen Raum an – in der Gemeinde „Altmärkische Wische“ sorgen mysteriöse Gemeinschaften seit sechs, sieben Jahren für Gesprächsstoff.

Sie sind „komisch“ und „anders“, werden zunächst für harmlose, alternative Aussteiger gehalten. Nicht umsonst findet der Infoabend über völkisch-rechte Siedler am nächsten Mittwoch, 28. Januar, in Seehausen statt. Das Bündnis für Demokratie und Weltoffenheit Stendal und „seehausen links“ wollen über die Gemeinschaften aufklären, die ein „rassistisch-antisemitisches Weltbild“ hätten und mit ihren alternativen Lebenskonzepten kaum auffallen würden.

Nicht nur Verfassungs- und Staatsschutz haben solche dubiosen Siedlungen im Blick – auch linke Organisationen, die in „völkischen Siedlerfamilien“ ein großes Problem sehen, da in deren „deutscher Volksgemeinschaft“ kein Platz für Vielfalt, Gleichberechtigung und Weltoffenheit sei. In Seehausen soll am Mittwoch auch vermittelt werden, wie dieser Problematik begegnet werden kann.

„Ihr Ziel sind die Etablierung einer völkischen Gemeinschaft und der Aufbau eines autarken, nationalen Wirtschaftsnetzwerks“, schreibt Anna Schmidt von der Berliner Amadeu-Antonio-Stiftung in ihrer Broschüre über das völkische Siedlungskonzept. Sie kommt am Mittwoch nach Seehausen, um ab 18 Uhr in der Wischelandhalle einen Überblick über die Aktivitäten der Siedler, ihre Argumentationen und Erkennungsmerkmale zu geben.

Es seien eben „keine harmlosen, alternativen Aussteiger“, sagt Anna Schmidt. Vielmehr würden sich die „extrem Rechten mit völkischer Ausrichtung“ in wenig bewohnten Gebieten ansiedeln, „um ungestört nach ihrer menschenfeindlichen Weltanschauung zu leben“. Abgelegene Höfe, wie sie in der Wische zu finden sind, gelten als ideale Rückzugsorte. Für diese Siedler sei es ein Naturgesetz, „dass nur eine rein deutsche Abstammung den Erhalt des Volkes“ sichern könne und „die deutsche Volksgemeinschaft“ allen anderen Menschengruppen überlegen sei“, wertet die Autorin.

Die Weltanschauung der völkischen Siedler geht laut Schmidt auf das rassistisch-antisemitische Denken der völkischen Bewegung Anfang des 20. Jahrhunderts zurück, das im Nationalsozialismus seinen Höhepunkt fand.

Völkische Siedler arbeiten häufig in traditionellen Berufen wie der (Bio-)Landwirtschaft, im Kunsthandwerk oder als Hebammen und haben einen starken Bezug zum Naturschutz. „Ein Leben auf dem Land und eine ökologische Produktionsweise sind noch lange kein Verweis auf völkisches Siedeln. Aber die völkischen Siedler treffen in ihrer Umgebung auf viel Zustimmung, weil sich ökologisch nachhaltige Konzepte in der Gesellschaft zunehmend durchsetzen, während ein kritisches Bewusstsein für problematische Überschneidungen zu rechten Naturschützern häufig fehlt“, weiß Referentin Anna Schmidt.

Der Informationsabend in Seehausen wird mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds (EFS) und vom Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

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