Gottberg-Funde könnten sterbliche Überreste der Gutsfamilie Granzow sein

Knochen geben Rätsel auf

Bestattungshügel bei Geestgottberg
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Auf diesem Hügel am Gottberg sollen Angehörige der Gutsfamilie Granzow bestattet worden sein.
  • Thomas Westermann
    VonThomas Westermann
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Geestgottberg. Knochenfunde beschäftigen derzeit die Kriminaltechniker. Gefunden wurden sie bei Holzungsarbeiten für den Bau der künftigen Autobahn 14 am Gottberg des Seehäuser Ortsteils Geestgottberg.

Ob es sich bei den Funden um menschliche Knochen handelt, muss derzeit noch geprüft werden. „Das kann noch einige Zeit dauern“, sagte Dirk Marscheider, Pressesprecher im Polizeirevier Stendal, auf Anfrage der AZ. Und der Beamte vermutet: „Bei folgenden Ausgrabungen könnte noch viel mehr zutage kommen.“ Doch vorerst müssen die bereits gefundenen Knochen von den Fachleuten untersucht werden, ob es sich um menschliche Überreste handelt. Erst danach könnte sich die mögliche Todesursachenermittlung anschließen. Einheimische wollen im Gespräch mit der AZ wissen, dass es sich bei dem Hügel um eine Grabstätte handele.

Geestgottberger Heinz Theek ist sich sicher, dass der besagte Hügel eine Grabstätte für die Eigentümer des damaligen Gutes war, das sich im Besitz der Familie Granzow befand. Walter Granzow, gebürtiger Prignitzer, übernahm den elterlichen Hof in Geestgottberg. Später fungierte er als Deichhauptmann des Wischedeichverbandes und machte bei den Nationalsozialisten Karriere. 1933 wurde Granzow Vorsitzender des Verwaltungsrates, sprich Präsident, der Deutschen Rentenbank-Kreditanstalt (RKA) mit Sitz in Berlin. Danach fungierte er als Aufsichtsratsvorsitzender bei verschiedenen Geldinstituten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Granzow verhaftet und von 1945 bis 1948 interniert und arbeitete nach seiner Entlassung in Westdeutschland. Ein Sohn sei während des deutschen Russlandfeldzuges gefallen und in der Grabstätte beigesetzt, weiß Altmärker Theek. Die Besitzer des Gutes wurden nach dem Krieg enteignet. Und: „Nach der politischen Wende wurde die Ruhestätte der Familie Granzow noch gepflegt und machte einen ordentlichen Eindruck. Mittlerweile ist alles wieder zugewachsen.“

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