Spinnerplage: Rüdiger Kloth will damit ein Zeichen setzen

Allergischer Schock bei Pauline (8)  – Bürgermeister zeigt sich selbst an 

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Die achtjährige Pauline erlitt durch die Raupen eine allergische Schockreaktion und musste ärztlich behandelt werden.

Seehausen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Seehausen, Rüdiger Kloth, hat am Mittwoch dieser Woche bei der Polizei Anzeige wegen „Körperverletzung im Amt“ gegen sich selbst erstattet.

Der Grund: Als Bürgermeister ist es seine Aufgabe, die Bevölkerung vor Schaden zu bewahren – auch gesundheitliche Schäden durch die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners (EPS) zählen dazu. 

Bürgermeister Kloth zeigte sich selbst an. Foto: Westermann

Seit zwei Jahren im Amt hat er sich in dieser Sache sehr stark engagiert und versucht, die aus seiner Sicht zuständigen Institutionen und Ministerien wie Landkreis, Landtag, Umweltministerium und Sozialministerium für eine Problemlösung zu gewinnen. Jüngst hatte der Aulosener auch bei einem Fachgespräch in Berlin auf Einladung des Umweltbundesamtes zur Spinnerproblematik vorgesprochen. Leider blieben alle seine Bemühungen erfolglos. Deshalb sieht er nur noch den Ausweg der Selbstanzeige wegen Schädigung der Gesundheit der Bevölkerung im Allgemeinen und speziell im Fall des achtjährigen Mädchens Pauline Kramer aus Krüden, das nach einer allergischen Schockreaktion ärztlich behandelt werden musste. „Nun habe ich mit der Selbstanzeige wegen Körperverletzung durch Unterlassen die Notbremse gezogen. Ein Staatsanwalt wird sich der Sache annehmen, mal sehen, was dann passiert“, so der Verwaltungschef.

Das Gebiet der Verbandsgemeinde Seehausen ist laut Kloth seit mehr als zehn Jahren von dieser Plage betroffen, und die Gemeinden können bei der großen Anzahl von rund 10.000 Eichen – das sind ungefähr so viele Eichen, wie Einwohner – aus finanziellen Gründen nur einen Bruchteil bekämpfen. Es wurden bisher rund 300.000 Euro investiert und der Erfolg sei gleich null. „Der wiederholt von uns geäußerten Forderung nach flächendeckender Bekämpfung durch alle Eigentümer an Kreis-, Landes- und Bundesstraßen sowie dem Forstbereich unter Koordinierung der Landesregierung wurde bisher nicht entsprochen. Die Folgen für die Gesundheit hauptsächlich von Kindern sind fatal. Unsere Einwohner leiden unter allergischen Reaktionen und die Eichen sterben ab. In diesem Jahr wurden allein durch die Verbandsgemeinde Seehausen 1700 Einzelbäume vom Boden und circa 30 Hektar aus der Luft behandelt. Die Anzahl der behandelten Eichen im Zuständigkeitsbereich der Kreis-, Landes- und Bundesbehörden sind uns nicht bekannt.“ Leider blieb der Erfolg auch in diesem Jahr aus und es habe sich wieder einmal gezeigt, dass die zur Verfügung stehenden Mittel nicht die erforderliche Wirkung entfalten. Der Einsatz eines wirksameren Mittels werde aus Umweltschutzgründen bisher nicht genehmigt. „So lange Umweltschutz über Gesundheitsschutz der Bevölkerung steht, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern“, beklagt Kloth.

Von Thomas Westermann

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