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Von der Kita zum sozialen Zentrum

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Christiane Lüdemann (r.) schilderte in Seehausen ihre Erfahrungen mit dem Modellprojekt „Kita mobil“. Neben ihr die Organisatoren Bernd Kloss und Franka Schaarschmidt. © Westermann

Seehausen. Den Erhalt aller Kindertagesstätten in und um Seehausen hat sich der Verbandsgemeinderat auf seine Fahnen geschrieben. Wie das angesichts der demografischen Entwicklung aber umsetzbar ist, steht noch in den Sternen.

Dabei könnte es durchaus interessant sein, wie die Nachbarn mit der Problematik umgehen. Der Gesprächskreis „Seehausen links“ um den Wanzeraner Bernd Kloss hatte gemeinsam mit einer engagierten Mutter, nämlich Franka Schaarschmidt aus Beuster, diesbezüglich am Dienstagabend zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in das Foyer der Seehäuser Wischelandhalle eingeladen.

Als Referentin konnte Christiane Lüdemann, Bürgermeisterin der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf, gewonnen werden. Die Verwaltungschefin schilderte den Anwesenden ihre Erfahrungen mit dem Modellprojekt „Kita mobil“, das seit einiger Zeit in der größten Verbandsgemeinde Sachsen-Anhalts läuft. Beetzendorf-Diesdorf konzipiert den Systemwechsel in der Finanzierung von Kindertagesstätten in der Region. Über die drei Säulen „Finanzierungswandel“, „Mobilitätswandel“ und „Pädagogischer Wandel“ erarbeitet die Verbandsgemeinde Lösungen zur langfristigen Sicherung der flächendeckenden Kinderbetreuung unter den strukturellen Herausforderungen und Veränderungen in einer dünn besiedelten, aber nicht unbedingt strukturschwachen Region. Zur Finanzierung werden dabei öffentliche und private Mittel miteinander kombiniert und zusätzlich ehrenamtliche Strukturen mit einbezogen. Die Zusammenarbeit mit Institutionen aus der regionalen Planung, dem Personen-Nahverkehr, der Wissenschaft sowie aus regionalen Ehrenämtern zielt dabei auf die Qualitätssteigerung der pädagogischen Konzepte ab sowie auf eine höhere Flexibilität in der Kinderbetreuung.

Wichtig ist Verbandsgemeindebürgermeisterin Lüdemann der Dialog mit den Eltern. So werden Workshops organisiert und Fragebögen verteilt, um auszuloten, was den Müttern und Vätern wichtig ist. Dabei haben die Verantwortlichen Visionen, wissen sie doch, dass im Laufe der Jahre die Zahl der Kinder erheblich sinkt. Ein Lösungsansatz könnte die Wandlung von einer reinen Kita zu einem sozialen Zentrum sein. „Warum muss am Abend die Einrichtung abgeschlossen werden“, fragt sich die Verbandsgemeindebürgermeisterin. Seniorentreffs und Infoveranstaltungen wären auch dann möglich, wenn die Kinder längst zu Hause seien. Kitas könnten sich zu Mehrgenerationenhäusern und so zu Begegnungsstätten für Jung und Alt entwickeln.

Allerdings macht auch die demografische Entwicklung nicht vor Beetzendorf-Diesdorf halt. Von den einst 16 Kitas in Trägerschaft der Verbandsgemeinde musste zum Ende des vergangenen Jahres eine geschlossen werden. Es wurden nur noch acht Kinder betreut, so die parteilose Bürgermeisterin. „Schließung kann auch positive Aspekte haben. So fließt beispielsweise mehr Kompetenz in andere Einrichtungen. Zumal sich Erzieherinnen und Kinder in einer größeren Gemeinschaft wohler fühlen“, ist sich die Verbandsgemeindebürgermeisterin sicher.

Von Thomas Westermann

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