Nachwuchs zu Hause wird während der Notbetreuung in Kita nicht vergessen

Kindermund: „Alles wegen Corona“

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Abstand halten ist in Corona-Zeiten wichtig. Das gilt auch für Spiel und Spaß am und im Sandkasten.

Seehausen – Seit den Corona-Einschränkungen ist es still, sehr still geworden in der Seehäuser Kindertagesstätte am Lindenpark. Die Betreuung musste heruntergefahren werden.

Nur Eltern, die in den sogenannten systemrelevanten Berufen arbeiten, können ihren Nachwuchs in der Einrichtung unterbringen. In der Wischestadt sind es unter anderem Verkäuferinnen sowie Pflegepersonal im Altenheim und Krankenhaus sowie aus den Bereichen Wasser- und Energiewirtschaft.

Kita-Leiterin Birgit Geiseler hilft dem dreijährigen Til und der fünfjährigen Lena beim Händewaschen.

Die Chefin der beiden Tagesstätten am Lindenpark und am Klosterschulplatz, Birgit Geiseler, setzt mit ihren Mitstreiterinnen den Erlass des sachsen-anhaltinischen Ministeriums für Arbeit, Soziales und Integration vom 17. April in Sachen Notbetreuung um. Und die sieht so aus: Zur Minimierung des Infektionsrisikos sollten sich in den Gruppen- oder Betreuungsräumen und Schlafräumen je fünf Quadratmeter Grundfläche nicht mehr als eine Person gleichzeitig aufhalten, jedoch jeweils insgesamt nicht mehr als fünf Kinder und die sie betreuenden Personen. In Sanitärräumen dürfen sich jeweils nur bis zu zwei Kindern und eine erwachsene Person gleichzeitig aufhalten. Wenn die Kinder am Morgen von den Eltern gebracht werden, sei sofort das gründliche Händewaschen angesagt, äußert Geiseler gegenüber der AZ. Und natürlich werde drinnen und draußen auch auf Abstand geachtet. Bei den größeren Kindern funktioniere das gut, bei den kleineren sei das „einfach nicht möglich“.

Anfangs gab es 21 Kinder im Alter von null bis sechs Jahren in der Notbetreuung, mittlerweile ist die Zahl auf 30 gestiegen. Die insgesamt 16 Erzieherinnen am Lindenpark wechseln sich in der Arbeit wochenweise ab. Acht Frauen kümmern sich dann um die Kinder, während die anderen acht Fachkräfte im Homeoffice tätig sind. Zu Hause werden beispielsweise die Betreuungsstunden vor- und nachbereitet, Portfolios und Akten aufgearbeitet und Konzepte überarbeitet. Warum derzeit in der Kita alles anders läuft als sonst, davon haben die Erzieherinnen den älteren Kindern Geschichten über das Corona-Virus erzählt. Prompt kam von einigen der Ausspruch: „Alles wegen Corona.“

Am Eingang der Kita am Seehäuser Lindenpark wird auf derzeitige Hygieneregeln hingewiesen.

Mit all jenen Kindern, die zu Hause bleiben müssen, wird Kontakt gehalten. „Wir haben für die älteren Mädchen und Jungen einen Brief geschrieben und mit der Post verschickt. Die Eltern konnten dann das Schreiben vorlesen“, berichtet Kita-Chefin Geiseler. Für die Krippenkinder hingegen wurden im Zuge des Osterfestes Karten gebastelt, die mit einem Gedicht versehen waren, verschickt. Jüngst bekamen die Zuhausgebliebenen erneut Post aus ihren Einrichtungen Lindenpark und Klosterschulplatz. Den Kindern wurden Malaufgaben gestellt. „So können die Mädchen und Jungen daheim kreativ werden“, wünscht sich die Einrichtungsleiterin. Wenn die Motive ausgemalt sind, können die Bilder ganz einfach in den Briefkasten der Kindertagesstätten gesteckt werden. Die kreativen Ergüsse werden dann in den Gruppenräumen und den Fluren zu sehen sein.

Eine weitere Aktion soll ebenfalls dem Zusammengehörigkeitsgefühl dienlich sein. Die notbetreuten Kinder haben in jüngster Zeit Steine mit Regenbogen, Sonne und weiteren Motiven bemalt, die Optimismus für die Zukunft verbreiten sollen. Mit den Steinen wurde am Donnerstag der erste Teil einer Kette am Grünen Klassenzimmer am Umfluter gelegt. Kinder zu Hause können ebenso steine bemalen und damit die Kette verlängern. „Die Kinder zu Hause sollen nicht vergessen werden. Es ist gegenwärtig auch eine schwierige Situation für die Eltern“, weiß Birgit Geiseler.

VON THOMAS WESTERMANN

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