„Das ist eine riesige Katastrophe“

Kommunalpolitiker äußern sich zur achtstündigen Elbbrückensperrung

Umleitungsschild
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Umleitungsschilder angesichts der rund achtstündigen Elbbrückensperrung am Sonnabend stehen derzeit in der nördlichen Altmark und in der Prignitz.
  • Thomas Westermann
    vonThomas Westermann
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Seehausen/Wittenberge. Die Elbbrücke wird gesperrt: Für Autofahrer, die auf der B 189 von Süd nach Nord oder umgekehrt fahren wollen oder müssen, dürfte das eine Horrorvision sein. Angesichts eines bundesweiten Aktionstages für eine klimagerechte Verkehrswende sind am morgigen Sonnabend mehrere Versammlungen gegen den Ausbau der Bundesautobahn 14 angemeldet worden. Diese bewegen sich in einer Sternfahrt von verschiedenen Ausgangsorten aus den Bundesländern Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Niedersachsen zur B-189-Elbbrücke bei Wittenberge.

Aus diesem Anlass muss die Brücke am Sonnabend von 14 bis 22 Uhr für den Kraftfahrzeugverkehr gesperrt werden. Grundsätzlich sollen laut Brandenburger Polizei alle Kraftfahrzeugführer das Bauwerk am Nachmittag und Abend meiden. Und die Ordnungshüter geben schon mal Umleitungsempfehlungen. In Richtung Mecklenburg-Vorpommern: Wittenberge über die B 195 Dömitz über die dortige Elbbrücke und dann über das Emsland wieder zurück nach Geestgottberg (B 189). Diese Umleitungsstrecke wird mit circa 100 Kilometern und einer Fahrzeit von anderthalb Stunden angegeben. In Richtung Sachsen-Anhalt: Wittenberge über die B 189, B 5 und B 107 zur Elbbrücke nach Tangermünde und zurück nach Geestgottberg. Diese Strecke wird mit rund 160 Kilometern und einer Fahrzeit von rund zwei Stunden und zwanzig Minuten angegeben. Kraftfahrer, die aus Sachsen-Anhalt kommen und in Richtung Norden wollen, können die Fähren bei Schnackenburg oder Lenzen nutzen.

AZ hat einige Kommunalpolitiker in der Verbandsgemeinde Seehausen gefragt, wie sie über die circa acht Stunden dauernde Brückensperrung denken.

„Das ist eine riesige Katastrophe“, schimpft Seehausens Verbandsgemeindebürgermeister Rüdiger Kloth. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Behörden in Brandenburg so etwas genehmigt haben. Die Sperrung über eine so lange Zeit sei unverhältnismäßig. „Ich, Handwerker und Privatleute in der Altmark können die Handlungsweise nicht nachvollziehen.“ Kloth erinnert sich noch an eine Aktion der A-14-Befürworter vor einigen Jahren auf der Elbbrücke. „Da war die Brücke nur für eine kurze Zeit gesperrt und eine Rettungsgasse freigelassen worden. Aber, was jetzt abgeht, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Und die Fähren bringen auch keine Entlastung. Da steht man locker eine Stunde oder länger an“, weiß er aus Erfahrung, wenn es auf der B-189-Brücke zu Unfällen kam und diese gesperrt war.

Seehausens ehrenamtlicher Bürgermeister Detlef Neumann hat für die lange Sperrung „völliges Unverständnis“. „Wie kann man solch einen neuralgischen Punkt über acht Stunden dicht machen?“, fragt er sich. „Sicher, das Versammlungsrecht lässt eine derartige Aktion zu, aber man hätte auch einen anderen Platz finden können, der weniger frequentiert wird. Ich kann die Sperrung nicht verstehen und viele andere Menschen auch nicht.“

Dirk John, Mitglied im Verbandsgemeinderat Seehausen und Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Tourismus, artikuliert sich so: „Generell ist das eine Frechheit. Der Bau der A 14 ist beschlossen, dagegen können die nichts mehr tun. Zudem sind die meisten der A-14-Gegner nicht aus der Region.“ John ist Fährmann auf der Strecke zwischen Schnackenburg und Lütkenwisch und könnte von der Sperrung profitieren. „Aber das tut nichts zur Sache“, sagt er. Wie von dem gelernten Binnenschiffer weiter zu erfahren war, könne die Fähre auf der oben genannten Strecke aufgrund eines Defekts nicht genutzt werden. „Es wird versucht, sie bis Sonnabend noch zu reparieren. Falls das nicht klappen sollte, bleibt nur einige Kilometer weiter die Verbindung bei Lenzen.“

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